Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Freitag, August 07, 2015

#RPGaDAY2015 Frage 6: Zuletzt gespieltes Rollenspiel

Das wäre dann wohl tatsächlich "Rim Jobs" (nicht der Titel des Spiels, sondern wie wir es hinterher scherzhaft bezeichneten), ein SciFi-Homebrew auf einer Con (Ende Mai). Ich habe überlegt diese Frage auszulassen, weil ich diese Runde...nicht gut... fand. Ich hatte nicht mal die Lust einen Rant oder einen Beitrag im "SL, ich könnte sie..."-Thread im Tanelorn zu verfassen, so egal war mir die Runde.

In die Runde kam ich, weil ich immer für eine SciFi-Runde zu haben bin und obwohl im Nachhinein einige Warnsignale in der Rundenbeschreibung drin waren, so listete der SL (und Autor des Spiels) doch zumindest "Stars without Numbers" als Inspiration, insofern deutete das doch auf jemanden hin, der über den RPG-Tellerrand geschaut und davon gute Ideen mitgenommen hat.

Falsch gedacht. Zweites Warnsignal war, dass der SL drei der Spieler seiner Heimrunde in der Runde sitzen hatte, drittes und viertes war, dass er sein System als "eine Mischung aus DSA und Shadowrun" beschrieb und er sich "das Abenteuer heute morgen unter der Dusche ausgedacht" hätte. Das System war daher eher konventionell (Attribut+Fertigkeit+W20), mit einem aufgesetzten Komplex für übernatürliche Kräfte (das er aber nur in den Händen "verantwortungsvoller Spieler" - also einem seiner Stammspieler - sehen wollte...merke: so macht man keinen Spieltest), der - nach dem was ich davon mitgekriegt habe - noch ziemlich broken war. Warnsignal Fünf.

Das Abenteuer... ach, reden wir nicht darüber. Oder doch, ganz kurz: zwei Stunden aneinander vorbeispielen, weil der SL den (vorgegebenen) Charakteren keine gemeinsame Motivation gegeben hatte (als die Spieler versuchten das zu umgehen und selbst *irgendeinen* Grund zu finden mit den anderen SC eine Gruppe zu bilden blockte mit Verweis auf  "charaktergerechtes Spiel" ab), dann große Katastrophe, welche alle anderen NSC ausknockt und die SC zwingt zusammen zu arbeiten (hätte der SL mal damit angefangen).

Raumschiff wieder fit gemacht, zum Planeten, welcher von derselben Katastrophe getroffen wurde und (innerhalb weniger Stunden) die Phasen "Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung", "Anarchie in den Straßen", "Herausbildung stabiler Machtblöcke" und "Konflikt zwischen besagten Machtblöcken" (Zeitpunkt der Ankunft der SC) durchlaufen hatte - vollkommener Kappes. Noch dümmer war, dass wir sofort nach unserer Ankunft am Raumhafen von einer Fraktion beauftragt wurden die andere zu sabotieren, weil "wir neu hier sind und nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden können" (dass wir mit unserem Raumschiff direkt auf ihrem HQ gelandet sind, wurde geflissentlich ignoriert). OK, dann also los...Kampfsystem testen...äh, ich meine: Mission erfüllen! Üblicher weg durch vorbereitete Encounter, keine Möglichkeit auszuscheren und dass wir einen Heidenlärm machen führt auch nicht dazu, dass die Gegner vielleicht ihre Sicherheit verstärken.

Mission wird erfüllt, was die Gegner (aufgrund fehlender Ressourcen) zu einem Friedensvertrag zwingt. Als sie uns bei der Unterzeichnung in den Reihen ihrer einstigen Gegner sehen (soviel zu "wir dürfen nicht mit denen in Verbindung gebracht werden") scheinen uns nicht übel zu nehmen, was wir gemacht haben und haben auch gleich eine neue Mission für uns: die Welt will die Gelegenheit (zeitweiliger Ausfall sämtlicher Technik) nutzen, um sich vom Imperium unabhängig zu machen, dafür sollen wir den ComSat im Orbit in die Luft sprengen. Die Frage inwiefern dies das Imperium davon abhält vorbeizukommen und nachzusehen, bzw. warum man den Satelliten unbedingt in die Luft sprengen muss (die Technik könnte man schließlich ausschlachten und anderweitig nutzen) prallen am SL und seiner Gruppe ab.

Also hoch zum Satelliten, wo wir auf den Grund des Technikausfalls treffen: ein (unmotiviertes) Starchild! Was folgt lässt sich am besten mit "das Ende von Mass Effect 3, aber in richtig doof" beschreiben (ich fand das Ende von ME3, mit den zweit unweigerlichen Alternativen, schon nicht so pralle, aber gegen dieses Abenteuer ist es Shakespeare). Starkevin teilt uns mit, wie immer wir uns in dieser Sache entscheiden, so würden sich auch alle anderen Randwelten entscheiden (schön zu erfahren, dass freier Wille in diesem Universum offensichtlich nicht existiert - ach was, der SL-Stil des Spielleiters hat das eigentlich schon angekündigt). Obwohl diese Information eigentlich nichts an den Fakten ändert (wenn sie vorher die Abspaltung dieser Kolonie für etwas gutes hielten, warum missgönnen sie das allen anderen Kolonien?), ändern die Stammspieler darauf folgend komplett ihren Plan und sprengen den Satelliten doch nicht in die Luft. Whatever, ich bin froh dass die Runde vorbei ist.

So, dass ist jetzt mein längster Beitrag zu diesem dämlichen Karneval. Und ausgerechnet zu einem Thema, über welches ich eigentlich keine Worte verlieren wollte. See what you made me do? See?

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1 Kommentare:

OpenID greifenklaue meinte...

Ach, so ein Spielbericht, gerade wenn es schief ging, liest sich doch immer unterhaltsam - und ist ggf. noch lehrreich.

August 07, 2015 9:46 vorm.  

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