Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Samstag, Oktober 25, 2014

[Fingerübungen] Rex Mundi Efferi – eine Savage Conversion entsteht (Teil 1)

Angestoßen durch eine sehr unproduktive Diskussion mit Savage Worlds-Gegner und hauptberuflichen Werbeblogger Ingo von obskures.de…

Behauptung: Savage Worlds kann gar nicht alles abbilden, Rex Mundi z.B. (natürlich ohne Erklärung, warum das denn jetzt so schwer sein soll, denn dann könnte man ja rational drüber diskutieren).

Nun denke ich nicht, dass man unbedingt ALLES mit Savage Worlds spielen sollte – es gibt durchaus einige Settings bei denen ich, mit Grund, auf andere Systeme zurückgreife – aber Rex Mundi? Ernsthaft? Das ist doch sogar ein vernachlässigbar kleiner Konvertierungsaufwand.

Für diejenigen, denen Rex Mundi nichts sagt: Rex Mundi ist ein Uchronie-Setting in einer alternativen Version der 30er Jahre, in einer Welt in welcher die Reformation nie stattgefunden hat, die katholische Kirche noch immer die einzige spirituelle Autorität darstellt (und anscheinend auch die einzige Polizeigewalt – in Gestalt der Inquisition – stellt) und Europa noch immer von Königshäusern regiert wird. Die Handlung spielt in Paris und handelt von einer ziemlich stereotypen Detektivgeschichte, welche in eine noch stereotypere Templer-Gral-Verschwörungskiste mündet.

Wer „Sakrileg“ und ähnliche Bücher/Filme kennt, der weiß schon ungefähr, worauf das alles hinausläuft. Der Autor betont zwar, dass er die Idee vor dem Erscheinen der englischen Ausgabe von „The DaVinci Code“ hatte, verschweigt aber die Dutzenden Verarbeitungen des Stoffes (etwa Gérard de Sèdes Roman „L’Or de Rennes“ von 1967, welcher die Vorlage für das „dokumentarische“ (Anführungszeichen beabsichtigt) „The Holy Blood and the Holy Grail“ war, welches als Hauptinspiration für Rex Mundi zitiert wird). Von einer dieser Verarbeitungen – dem Computerspiel „Gabriel Knight III“ (1999) – borgt sich der Autor sogar ziemlich dreist einen wichtigen Plotpunkt aus. Trotzdem wird der Autor nicht müde von seinen guten Freunden salbadernde Vorwörter zu seinen Comics schreiben zu lassen, in denen diese sich darüber auslassen, wie toll und neuartig Rex Mundi doch wäre (das driftet schon mal ins Lächerliche ab, wenn sein Editor Scott Allie das besagte „Holy Blood and Holy Grail“ als non-fiction bezeichnet und auf derselben Seite Umberto Ecos „Das Focaultsche Pendel“(welches sich über die Kernthese von „Holy Blood“ lustig macht) als minderwertige Literatur bezeichnet – offenkundig ohne es gelesen zu haben, denn er geht davon aus, dass es denselben Inhalt wie „Rex Mundi“ hat).

Aber unabhängig von meinen persönlichen Vorbehalten gegenüber dem Autor, seinem uninspirierten Plot und seinen Verschwörungsspinner-Freunden, könnte das Setting für das Rollenspiel durchaus reizvoll sein. Bitterböse Noir-Geschichten, politische Intrigen, gewürzt mit Herrschaftsverhältnissen (fast) wie aus dem Mittelalter… das hat durchaus Potential.

Ich hatte Rex Mundi sogar schonmal für eine Konvertierung herangezogen, allerdings dann um eine (von Planetary und The Invisibles inspirierte) „Gottläufer-Ebene“ erweitert und mit guten Ideen aus anderen Systemen abgeschmeckt. Diese Konvertierung befindet sich noch in der Rohfassung und ist auch etwas zu umfangreich, um sie in diesem Rahmen hier vorzustellen.

Aber: das Rex Mundi-Setting ist, in seiner „Reinform“, perfekt geeignet, um einmal meine Gedankengänge beim Erstellen einer Savage Conversion zu demonstrieren und im Rahmen einiger kurzer Artikel zu zeigen, wie Savage Worlds verschiedene Settings bereits mit den „Bordmitteln“ gut umsetzen kann.

Konvertierungsziele (Eckpunkte)

  • Ein Urban-Mystery-Setting
  • Technologiestand: Frühes 20. Jahrhundert (nicht zu viel nachdenken, wie das mit der alternativen Geschichte zusammengeht – SoD auf Max schalten)
  • Dreckig und düster
  • Geheimnisse und deren Aufdeckung
  • Politische Intrigen
  • Starre soziale Stände
  •  Zunftschranken
  • Kabbalistische Magie

Ferner wäre es sehr wünschenswert, wenn die Protagonisten von Rex Mundi (sowohl der Hauptgeschichte, als auch den „Brother Matthew“-Kurzcomics) in Savage Worlds-Spielwerten darstellbar wären. Aber in dieser Hinsicht habe ich wenige Bedenken und stelle es dementsprechend weiter hinten an.

In den folgenden Artikeln möchte ich en detail darauf eingehen, wie man mit Savage Worlds diese Konvertierungsziele umsetzen kann. Die Betonung liegt wie gesagt auf „kann“, denn wie so oft gibt es verschiedene Möglichkeiten, um an das Ziel einer spielbaren Conversion zu gelangen.

Ich danke für die Aufmerksamkeit

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5 Kommentare:

Anonymous Athair meinte...

Klingt erstmal interessant. Cool, dass du dir die Mühe machst.

Grundsätzlich habe ich schon meine Bedenken. Für mich ist SW ein System, das für so ziemlich alle Facetten von Hollywood-Blockbustern funktioniert. Aber darüber hinaus ... halt nicht.

(Wobei das nicht unbedingt an SW liegen muss. Es kann auch sein, dass andere Systeme meine Präferenzen für Settings/Blickwinkel jenseits von HW einfach besser bedienen. Beispiele wären: Renaissance, True20, Swords & Wizardry.)

Oktober 25, 2014 11:47 vorm.  
Anonymous Skyrock meinte...

Link zur auslösenden Diskussion?

Oktober 25, 2014 3:44 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

@Athair: Kein Widerspruch von mir. Man kann sicherlich JEDEM Setting ein "Hollywood-treatment" verpassen und es auf diese Weise mit Savage Worlds spielen, aber wenn man halt auf ein anderes Spielgefühl als "Hollywood" aus ist, dann nimmt man ein anderes System. Klar.

Bei "Rex Mundi" ist es relativ einfach, weil sich der Comic vom Aufbau und Inhalt bereits stark an Hollywood-Blockbustern orientiert.

@Skyrock:
https://plus.google.com/u/0/101087642948316619884/posts/1vu9Qs6gH3Q

Oktober 25, 2014 5:29 nachm.  
Anonymous Zant meinte...

"Savage-Worlds-Gegner" stellt Ingo von Obskures aber in eine Ecke, in die er nicht gehört. Die SW-Lobhudelei kann man so einfach nicht stehen lassen, wenn man sich auch aktuellere Systeme angesehen hat.

Oktober 27, 2014 11:21 vorm.  
Blogger alexandro meinte...

Wie soll man ihn sonst nennen, wenn er bei jeder sich bietenden Gelegenheit etwas gegen Savage Worlds sagt? Man kann ihn noch nicht einmal "Savage Worlds-Kritiker" nennen, denn er kritisiert das System nicht wirklich, sondern sagt nur dass er es nicht mag.

Daher: "Gegner" passt schon.

Und was "modernere Systeme" angeht... ich habe bei denen noch keines gesehen, welches die Designziele von SW besser umsetzt, als SW (das einzige System, welches da ran kommt ist das Indie-Game "Empire of Dust", allerdings ist dieses deutlich weniger flexibel einsetzbar).

Das kann man nun mögen oder nicht, aber wirkliche Alternativen gibt es (mal abgesehen von den subjektiven Eindrücken gewisser Personen) nicht wirklich.

Oktober 27, 2014 12:53 nachm.  

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