Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Donnerstag, Juli 11, 2013

[Rezi] Ich - Einfach Unverbesserlich 2

Animationsfilme sind ja im Moment schwer in Mode und wer bisher noch geglaubt hat, dass die in diesem Medium erzählten Geschichten zwingend geistlos und nur etwas für jüngere Mitmenschen wären, der wurde im vergangenen Jahr mehrmals eines besseren belehrt. Nach der Welle der großartigen und emotional mitreißenden Unterhaltung des Jahres 2012 stellte sich 2013 erst einmal Ernüchterung ein: die Neuauflage der Familie Feuerstein (Die Croods), die biedere Öko-Fabel (Epic-Verborgenes Königreich) konnten sich nur schwerlich mit Meisterwerken wie "Merida" oder "ParaNorman" messen. "Die Monster-Uni" war zumindest unterhaltsam, hatte aber nur einen Bruchteil der Aussagekraft des Films, auf den er sich bezieht (statt einem Prequel hätte ich lieber eine Fortsetzung gesehen). Der nächste Film auf dem Programm ist die Fortsetzung von "Ich-Einfach unverbesserlich", um einen Klischee-Superschurken der unfreiwilliger Familienvater wird. Ich fand den ersten Teil prinzipiell gut, wenn auch etwas vorhersehbar und in der Handlung zu sehr auf lustige Einzelszenen bedacht (der im gleichen Jahr anlaufende Dreamworks-Film "Megamind" war in Handlungssicht deutlich strukturierter).
 
Story: Ex-Superschurke Gruu geht voll in seinem Leben als Familienvater auf. Doch dann wird er von einer Geheimorganisation rekrutiert, um die Pläne eines anderen Superschurken zu vereiteln. Zunächst widerwillig arbeitet er mit der etwas chaotischen Agentin Lucy zusammen…
 
Positiv ist hier anzumerken, dass die Story tatsächlich neue Ansätze zu den Figuren beiträgt - Fortsetzungen, und besonders Fortsetzungen von Komödien, haben oft die entscheidende Schwäche, dass sie versuchen die Story des ersten Teils zu recyclen  (siehe "Ghostbusters 2", "Men in Black 2" (und 3), sowie zahlreiche andere Beispiele). Dies ist hier nicht der Fall: Gruus Konflikt aus dem ersten Teil (Kinder vs. Karriere) wird hier nicht mit umgekehrten Vorzeichen wieder aufgebaut, sondern wir begegnen einem gereiften Gruu, der seine Verantwortung gegenüber seinen Adoptivkindern mit seinem neuen Job in Einklang zu bringen versteht.
 
Der Film folgt vielmehr dem Vorbild der RomComs und baut das "ungleiche Paar" Gruu und Lucy auf, welche nach und nach ihre gegenseitige Abneigung überwinden und Zuneigung füreinander entwickeln. Im Nebenplot beginnen die von Gruu adoptierten Mädchen ebenfalls eine charakterliche Reifung: Margo beginnt sich von ihrer Familie abzunabeln (und sich für Jungs zu interessieren), Edith versucht Gruu in seiner Agenten-Karriere nachzueifern und Agnes versucht Gruu mit einer Frau zu verkuppeln, damit sie eine Mutter hat. Diese Ausdifferenzierung der Charaktere ist ein nettes Detail und bringt dem Film bei mir Pluspunkte ein, auch wenn diese Handlungsstränge eher im Hintergrund laufen und nicht wirklich viel Raum im Film einnehmen.
 
Den Großteil des Films nehmen wieder, wie schon im ersten Teil, kurze Szenen der Situationskomik ein, welche  Trailer-tauglich sind (also aus dem Zusammenhang gerissen und im Kinotrailer verwendet immer noch witzig sind) und größtenteils durch die komischen Nebencharaktere der "Minions" bestritten werden. Im Gegensatz zum ersten Teil besitzen die "Komik-Szenen" diesmal allerdings noch weniger Bezug zur Hauptstory und sparen größtenteils mit Anspielungen auf die Populärkultur (es gibt ein James-Bond-Auto und ein paar Gags über mexikanisches Wrestling, aber keine derart cleveren Seitenhiebe, wie der auf "Lehman-Brothers" im ersten Teil).
 
Trotz allem ist der Film immer noch unterhaltsam und ich bereute den Eintrittspreis nicht - die hier angesprochenen Kritikpunkte zeugen eher von dem hohen Qualitätsanspruch, welchen andere Animationsfilme etabliert haben und an dem sich zukünftige Filme (ob animiert oder sonstige) messen lassen müssen. Wer den ersten Teil mochte, der wird auch von dieser Fortsetzung gut unterhalten werden. Wer noch nie einen Animationsfilm gesehen hat, der sollte diesem Film (oder seinem Vorgänger) vielleicht eine Chance geben, denn er hat durchaus kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Wer sich für "zu erwachsen" für solche Filme hält (diese Haltung ist oft das Ergebnis mangelhafter Sozialisation im Vorschulalter, bei denen das eigene Selbstwertgefühl auf Kosten der "kindischen" Kindergartenknirpse aufgebaut wird), der soll meinetwegen "überhaupt nicht kindische" Filme  über Martial Arts, Ritterburgen, oder Typen in Lederwindeln schauen und uns anderen unsere kindliche Freude an den Abenteuern von Gruu und seinen Minions lassen. ;)


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