Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Freitag, Juni 28, 2013

World War Z... oder: endlich ein Zombiefilm mit Hirn

Als George A. Romero anno 1968 mit "Night of the Living Dead" unbeabsichtigt ein neues Genre des amerikanischen Kinos begründete (bzw. den zu diesem Zeitpunkt eher belächelten Monster-Horror neue Anerkennung verschaffte), bannte er sich die Ängste einer Generation auf Zelluloid. Heraus kam ein fesselndes Kammerspiel, welches bis heute unerreicht ist.
 
Und da liegt auch schon das Problem: die "Nacht der Lebenden Toten" ist ein Kammerspiel; eine kleine Gruppe Überlebender ist auf engsten Raum gefangen und versucht sich der heranstürmenden Untotenhorden zu erwehren. Währenddessen lernt man die Eingeschlossenen näher kennen, erfährt ihre Ängste, Wünsche und Hoffnungen und baut Sympathie zu ihnen auf - was sie letztendlich in der Kammer hält, ist egal, wichtig ist nur dass sie nicht raus können und daran zerbrechen.
 
Moderne Zombiefilme ("Dawn/Land of the Dead", "28 Days/Weeks Later") haben in der Regel von Romero abgekupfert - keiner dieser Filme hat bisher irgendetwas eigenes oder originelles zum Genre beigesteuert. Entsprechend funktionieren diese Filme dort großartig, wo sich die Protagonisten in Kammerspielartigen Situationen befinden. Leider haben das die Macher dieser Filme nicht begriffen und versuchen den Handlungsrahmen ihrer Protagonisten zu erweitern - was erwartungsgemäß in die Hose geht.
 
Damit der Rest des Films weiter in der gewünschten Weise funktioniert, müssen die Protagonisten regelmäßig versagen - was sie in den Augen des Zuschauers schnell zu herumkrebsenden Idioten werden lässt, welche ohne genaue Anweisungen vollkommen lebens- und schaffensunfähig sind. Mit solchen Vollpfosten kann man natürlich auch keine Sympathie aufbauen. Einige Filme versuchen eben diese Handlungsunfähigkeit der Protagonisten zu persiflieren ("Shaun of the Dead" - absolute Empfehlung!), aber wirklich ausgebrochen ist noch kein Film aus diesem Schema; meine Hoffnung war, dass "The Walking Dead" aufgrund seiner Serien-Natur eben dies gelingen würde - stattdessen bekam man nur noch mehr Herumkrebsen-Plots, garniert mit ganz viel Seifenoper-Kammerspiel, um das zu kaschieren. *würg*
 
"World War Z" versucht nun etwas anders zu machen - das Kammerspiel wird auf ein Minimum zurückgefahren, stattdessen konzentriert sich der Plot von Anfang an auf die Eindämmung des Virus auf der globalen Ebene, sowie die Suche nach dem Auslöser der Infektion. Man erfährt u.a. wie die verschiedenen Länder mit der Infektion umgehen (die Lösung Nordkoreas ist dabei die originellste) und wie die Zombies durch ihre schiere Masse so manche Schutzmaßnahme einfach überrennen (die Szenen sind visuell sehr beeindruckend inszeniert und die - schon aus dem Trailer bekannte - Szene der wie Ameisen übereinander kriechenden Zombies sucht sicherlich ihresgleichen). Eine Menschheit die tatsächlich mit einem kohärenten Plan gegen die Zombies agiert (ob der Plan jetzt gut oder schlecht ist sei mal dahingestellt, aber zumindest rennen sie nicht wie kopflose Hühner herum, wie in den schon erwähnten "28 Days.."-Filmen) ist tatsächlich mal etwas erfrischend neues.
 
Vor allem: der Plan ist komplett unabhängig von dem, was der Protagonist (Brad Pitt) so anstellt. Er hat zwar auch ein paar gute Ideen - etwas übermäßig viele für meinen Geschmack - aber im Gegensatz zu anderen Zombie-Filmen hat man hier nicht das Gefühl, dass sich die Welt nur um diese eine Figur und ihre Familie/Freunde dreht (besonders deutlich wird dies, als der vorher als "Retter" aufgebaute junge Epidemieologe - vom Typ etwa wie Goldblums Charakter in "Independence Day" angelegt - einen relativ unspektakulären Tod stirbt, dann der weise, alte israelische Geheimdienstchef (Typus: Ben Kenobi) ebenso über den Jordan geht und Pitt schließlich eine unwichtige, israelische Soldatin (welche vorher keine Sprechrolle hatte) mitnimmt, weil es sich eben gerade anbietet. Diese Art von realistischer Entwicklung, von Charakteren die nicht wegen ihre "Funktion" oder "Rolle" im Kammerspiel zusammengecastet werden, sondern außerhalb ihres Archetypus überzeugen dürfen, ist ebenfalls erfrischend. Wer lieblose Pappkameraden sucht, um deren Verlust es nicht schade ist und mit denen man nicht mitfiebert, der sollte lieber einen der o.g. Filme ausleihen.
 
Ganz perfekt ist natürlich auch "World War Z" nicht: die anfänglichen Szenen, in denen Pitt mit seiner Film-Familie flieht, wirken dann doch wie aus einem 08/15-Zombiefilm. Zum Glück sind sie relativ schnell vorbei und man hat der Versuchung widerstanden, die Familie im dritten Akt doch noch als MacGuffin zu verwenden. Etwas amerikanisches Familien-Idyll hat sich also in den Film geschmuggelt, aber es ist noch relativ erträglich (in "Zombieland" - dem Film, der 88 Minuten nur zwei gute Witze aufweist - war das Vater-Mutter-Kind-Spiel unter den Überlebenden deutlich nerviger).
 
tldr:
Wer Zombies grundsätzlich spannend findet, aber genervt von der Einfallslosigkeit ist, mit welcher sie allzu oft umgesetzt werden, der sollte mal einen Blick auf "World War Z" werfen. Der Film hat sicherlich ein paar Schwächen, bläst aber zumindest frischen Wind ins Genre, was die Untoten imo ziemlich nötig haben.
 
8 von 10 Punkten.

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