Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Donnerstag, Juni 13, 2013

Griechen-Soap auf arte

Eigentlich wollte ich heute Abend ja mal gepflegt ausspannen und die neue historische Miniserie namens "Odysseus" auf unserem deutsch-französischen Partnersender genießen. Griechische Antike ist ja auch noch kein so gut bestelltes Thema, so dass ich dankbar für jede Umsetzung bin (selbst wenn es so ein überladener Pathos ist, wie Petersens "Troja", oder Metzel-Titten-Orgien wie Spartacus).
 
Erste Bedenken kamen mir, als ich erfuhr dass der titelgebende Odysseus in der Serie gar keine Rolle spielt und die Serie sich um die Bemühungen seiner Gattin Penelope dreht, den Thron von Ithaka zu halten - also um eine Fußnote in der Geschichte der Odyssee. Offensichtlich hielten die Macher eine richtig gute Heldensaga voller Monster, Magie und Gefahren nicht für aufregend genug, um daraus eine Verfilmung zu machen (und im Gegensatz zum Hobbit müsste man hier nicht einmal etwas am Quellenmaterial zu verändern). Eine ernsthafte Behandlung des Stoffes, abseits von Harryhausen-Gummidildos und plotfreien CGI-Orgien wäre durchaus wünschenswert.
 
Aber das ist nicht das wirklich ärgerliche an dieser Serie. Ärgerlich ist vielmehr, dass sie furchtbar langweilig ist - in dieser auf 12 Folgen gestreckten Endlosfamiliensaga passiert fast nichts, irgendwie, so der Stand nach fast 2 Stunden dieser Serien, streiten sich die Protagonisten um Belanglosigkeiten und am Status Quo ändert sich nichts. Wie auch, denn dafür müsste man ja großflächig vom Ausgang der Odyssee abweichen. Man mag von "Game of Thrones" halten, was man will, aber wenigstens gibt es dort regelmäßig Umbrüche und Veränderungen - die sucht man hier vergeblich. Es ist schon bezeichnend, dass die Erzählungen des Sänger Eucharistos vom Trojanischen Krieg in der Serie aufregender sind, als 99% der restlichen Szenen.
 
Schlechterdings sind Kostüme und Kulissen sehr austauschbar und unterscheiden sich kaum von vergleichbaren Produktionen. Auch die Musik ist langweiliges Gedudel und mittlerweile auch hinreichend bekannt. Irgendetwas womit die Serie im Gedächtnis bleibt, sucht man vergeblich. Warum eine derart über den Kamm geschorene, auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzierte, Produktion, welche sich mit dem Etikett der Geschichte schmückt, ohne wirklich viel Gehalt zu bieten - warum ein solches Machwerk nicht nur auf dem Kunst- und Kultur-Sender arte läuft, sondern auch noch von diesem (als Mitproduzenten) Geld erhält, das ist schwer zu glauben.
 
Naja, erstmal dranbleiben (oder wenigstens mit einem Ohr zuhören - da die besten Teile der Serie auch als Hörspiel funktionieren würden), aber wenn man Donnerstagabends etwas besseres zu tun hat und nicht unbedingt jede Antike-Umsetzung mitnehmen will, muss man sich diese Serie nicht unbedingt antun.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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