Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Sonntag, Juni 05, 2011

Detektivabenteuer III: Finger weg von Krimis

…was die Abenteuervorbereitung angeht.

Abend.
Vor kurzem ist mir ein kleiner Nachtrag zu meinem Artikel über Detektivabenteuer eingefallen, teilweise inspiriert durch einige Artikel über Abenteueraufhänger aus anderen Medien.

Der Gedanke liegt nahe, sich auch bei Detektivabenteuern dort zu bedienen, wo die guten Ideen herkommen und sich von hochbezahlten, erfolgreichen Krimiautoren zumindest einen Teil der Arbeit abnehmen zu lassen. Auf diese Weise kann man sich Täter, Motivationen, Tathergänge und sogar Hinweise ausborgen und sie in das Abenteuer übernehmen.

In der Regel ist das keine gute Idee.
Zunächst muss man berücksichtigen, dass bei Kriminalgeschichten die verschiedenen Elemente des Falls nahezu untrennbar zusammengehören. Der Täter aus Krimi A passt oft nicht zum Tathergang aus Krimi B und damit werden ein Großteil der Hinweise, Ermittlungswege und Schlussfolgerungen obsolet. Daher muss man, wenn man sich denn aus diesen Quellen bedient, in der Regel das gesamte Paket übernehmen, damit der Fall noch Sinn macht (was es deutlich schwieriger macht, seine Quellen zu verbergen).

Viel schwerer wiegt allerdings der Fokus der Kriminalgeschichten auf den Aufklärungsweg. Hier geht es nicht um das Ziel selbst, sondern darum auf möglichst originellem Weg dorthin zu kommen. Harry Dresden oder Sherlock Holmes sollen den Leser unterhalten, indem dieser deren Gedankengänge nachvollzieht, nicht indem er sich eigene Gedanken zum Fall macht. Um diesem "Unterhaltungsauftrag" gerecht zu werden, enthalten Sachen wie CSI als auch der Wald-und-Wiesen-Tatort logische Sprünge und Wendungen der höheren Hirnakrobatik, welche im Nachhinein vielleicht Sinn machen (wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt), welche die Fälle aber auf normalen (nicht "geplotteten") Ermittlungswegen unlösbar machen.

Der Krimi lädt daher nicht zum MITrätseln ein, sondern zum Konsum der Ermittlungstechniken von Monk, Caine oder Holmes - man könnte auch (wie bei Columbo üblich) am Anfang die Lösung des Rätsels verraten; der Weg dahin wäre dennoch interessant. Das Krimiabenteuer dagegen erfordert viel mehr "Stochern im Trüben": es geht viel weniger darum aus den Hinweisen einen möglichen Tathergang zu konstruieren (wie das die TV-Ermittler tun), sondern aus mehreren plausiblen Tathergängen denjenigen auszuwählen, welcher am wenigsten den Hinweisen widerspricht.

Ein Gleichnis:
- Krimis in Fernsehen und Büchern sind wie Schlucht: auf der anderen Seite wartet die Lösung, aber der Weg dahin erfordert Arbeit - erst wenn man die Brücke (Ermittlung) "fertiggebaut" hat kommt man dahin
- Detektivabenteuer ähneln mehr einen Road-Trip ohne Karte in einem fremden Land. Alle Straßen die man braucht sind bereits da, man muss sich nur für eine entscheiden

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Labels: ,