Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Donnerstag, Mai 20, 2010

[News] Pelgrane Press holt sich (wieder) Vance-Lizenzen

Wundert mich eigentlich, dass diese Meldung noch nirgendwo aufgetaucht ist, aber wie auch immer...

Pelgrane Press, Herausgeber des Dying Earth RPG hat (nachdem sie die Lizenz im vergangenen Jahr abgeben mussten) nun ihre Lizenz für diese Welt aus der Feder von Jack Vance erneuert, was die Möglichkeit eröffnet dass die (sehr gut geschriebenen) Bücher für dieses Rollenspiel wieder in Druck gehen.

Wo sie gerade dabei waren haben sie sich bei dieser Gelegeheit gleich die Lizenz für einen weiteren Vance-Stoff - die Space Opera Gaean Reaches - gesichert.

Großartige Neuigkeiten!

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Montag, Mai 03, 2010

Blut & Neonlicht Session 5: "Slice of Life"

Aufmerksamen Lesern ist sicherlich bereits aufgefallen, dass es zu Session 4 kein Diary gibt. Das hat den Grund, dass zwei neue Charaktere eingeführt werden mussten und Gruppenzusammenführung den Großteil der Sitzung in Anspruch nahm. Das ist eher weniger interessant zu lesen, daher lasse ich es weg.

Die neuen Charaktere waren:
Kevin (Sterblicher Einbrecher mit paranormalen Fähigkeiten) gespielt von einem neuen Spieler (der Spieler des Gangrel will lieber bei Changeling mitmachen und ist daher aus der Runde ausgestiegen).
Francis (Bruja-Biker) gespielt vom Spieler von Robyn (als Begründung für den Wechsel hat er angemerkt, dass er Robyn nicht moralisch feinfühlig spielen kann – völliger Blödsinn, es ging mir gar nicht darum dass die Charaktere nette Kuschelvampire sind, es ging mit darum dass ihre moralischen Entscheidungen Relevanz haben).

Naja, Francis wird erstmal mit Javier verknüpft (Javiers Gang war an der Ermordung eines von Francis‘ Kumpels beteiligt und wurden danach selber beseitigt), so dass die Beiden einen Grund haben sich zusammen zu schmeißen und Infos auszutauschen. Leider kriegt der Spieler von Javier das Ganze in den Falschen Hals und kommt zu der (falschen) Annahme, Francis sei für den Tod seiner Gang verantwortlich. Daher verschärft sich die Situation extrem (Angriff auf Francis Zuflucht bei Tag), was Francis in die Isolation treibt. Das kommt davon, wenn Spieler nur mit einem Ohr zuhören (allerdings muss ich auch einräumen: normalerweise verknüpfe ich neue Charaktere immer mit mindestens zwei Bestehenden, damit solche Situationen vermieden werden. Leider war das bei Francis recht schwer, da dieser erst neu in die Stadt kam und (trotz meines Primers) über keinerlei Connections dort verfügte. Ja, das T-Wort kam mir wieder in den Sinn…).

Kevin freundet sich mit der Sängerin Jean Trask an (beide Drogies), lernt über sie Chris kennen. Außerdem hat er eine kurze Begegnung mit Javier, den er für den Boss seines Dealers hält (und gerät mit diesem aneinander).

Zu Beginn der Session untersucht Javier (als Gefallen für Robyns Mentor und Anführer des „Geister-Tongs“) einen bestialischen Mord in seinem Viertel, der möglicherweise von einem Vampir verübt wurde. Beim Versuch die Leiche zur weiteren Untersuchung aus der Wohnung zu schaffen, wird er von Kevin überrascht, der wieder komische Visionen hatte und auch gleich die Polizei gerufen hat. Es folgt eine harte Auseinandersetzung mit den Streifencops. Eine mitgeführte NSC versucht die Situation über Beherrschung zu deeskalieren – leider würfelt sie einen Fehlschlag und macht das Ganze damit noch schlimmer (ich mag Entscheidungen durch Würfel – gerade für NSCs). Javier wird verhaftet, aber die NSC schafft es in der Verwirrung das Auto (mit der Leiche im Kofferraum) in Sicherheit zu bringen. Im Streifenwagen wirkt Javier „Alptraum“ auf den Fahrer, der das Auto auch Erwartungsgemäß gegen eine Laterne setzt, was Javier das Entkommen ermöglicht.

Chris hat ein Date mit seiner „Sandkastenfreundin“ von früher (Laura King), ein romantisches Nachtpicknick im Golden Gate Park. Leider wird er dabei auf eine Gruppe ihm unbekannter Vampire aufmerksam, welche den Park offensichtlich ebenfalls für ein Treffen ausgewählt haben. Seine Freundin bemerkt seine Blicke und will (ganz Polizistin), diese „zwielichtigen Gestalten“ zum Gehen auffordern. Es erfordert die gesamte Überredungskunst von Chris (er weigert sich seine Disziplinen auf Laura anzuwenden, was ihm einen Dramapunkt einbringt), sie davon abzuhalten und sie schwören zu lassen, der Sache nicht nachzugehen (Wird sie sich daran halten? Wir werden sehen!).

Mittlerweile geht Francis jagen. Als er wiederkommt ist seine Zuflucht (eine miese Abrissbude, für die er noch teuer Einrichtung gekauft hat) leergeräumt. Er klappert 2nd-Hand-Läden im Viertel ab, findet sein verlorenes Mobiliar wieder und richtet sich wieder ein (der Detailgrad mit dem der Spieler das beschreibt lässt mich an seinem Geisteszustand zweifeln – spielen wir hier „Requiem“ oder „Schöner Wohnen“???). Danach geht er zu einer Freundin welche er in der Nacht zuvor kennengelernt hat und will wieder Sex (und implizit Blut) von ihr. Als sie „nicht in Stimmung“ dafür ist nimmt er sich beides mit Gewalt (der folgende Menschlichkeitsverlust trifft doppelt hart, da der Charakter auch noch eine Geistesstörung entwickelt).

Kevin findet einen Hehler um die Beute seines letzten Bruches (eine sehr creepige Villa mit allerlei okkulten Paraphaeneliae und eine Art „Dämon“ im Spiegel) zu versetzen und ist etwas enttäuscht dass der Hehler ihm dafür nur $500 geben will (er weiß nicht, dass der Hehler damit $500.000 meint) und schafft es ihn auf $900 hochzuhandeln.

Chris trifft sich im Park mit dem Prediger, gewinnt (mit den üblichen Methoden) dessen Vertrauen, und wird von diesem über die Machenschaften einer Gruppe von vampirischen Psychohistorikern aufgeklärt, welche sich „Red Moonrise“ nennen und sich der Schaffung einer „für das Überleben der vampirischen Spezies geeigneten Gesellschafftsform“ (was im Klartext bedeutet: eine durch und durch moralisch verkommene Gesellschaft, in welcher die Taten von Vampiren nicht weiter auffallen) verschrieben haben. Chris willigt ein dem Prediger (Charles Foster) zu helfen einen möglichen Maulwurf von RM in San Francisco zu enttarnen.

Francis schraubt an seinem Motorrad, der Spieler beklagt sich darüber dass sein Charakter „keine Motivation zum Handeln“ hätte und dass ich als SL doch bitte was dagegen unternehmen solle. Mir platzt fast die Hutschnur. Ich werfe dem Charakter anderthalb Sessions lang Knochen hin die er geflissentlich ignoriert (plus den riesigen Knochen, den er selber in seine Hintergrundgeschichte geschrieben hat, den er aber nicht versucht hat im Spiel umzusetzen) und der Spieler beklagt sich über mangelnde Motivation. Ich meine, wäre der Charakter bereits seit anderthalb Jahren gespielt und in jeder Hinsicht „ausgereizt“, dann könnte ich diese Haltung noch ansatzweise verstehen, aber wenn ein frisch erschaffener Charakter trotz reichlicher Plothooks über keine Handlungsmotivation verfügt, dann ist das die Schuld des Spielers, nicht des SLs. Motivation ist Teil der Charaktererschaffung, verdammt nochmal!

Ich atme tief durch, gebe ihm noch eine Chance und wende den billigsten, unsubtilsten Chandler-trope an, der mir einfällt („Wenn die Handlung ins Stocken gerät, dann lassen sie irgendjemanden die Tür eintreten und wild in den Raum feuern!“): eine Gang sterblicher Vampirjäger, welche das Viertel nach Vampirzufluchten durchsucht. Das bringt ihn dann dazu die Flucht zu ergreifen und bei seinem Freund Jim (der erste Vampir den er in San Francisco kennenlernte) trifft er auch Javier wieder. Die beiden haben die Gelegenheit ihre Differenzen auszuräumen und stellen auch Gemeinsamkeiten fest. Gemeinsam untersuchen sie die Morde (und entdecken dabei erschreckende Parallelen, welche auf einen hohen Planungsgrad hindeuten).

Danach nehmen sie sich die Vampirjäger vor, entführen einen von ihnen und foltern ihn um Infos zu erlangen. Danach wird er getötet (wodurch auch Javier Menschlichkeit verliert). Der Spieler von Francis ist happy, weil er am Plot beteiligt ist (auch wenn er sich nur parasitär von der Spielerinitiative von Javiers Spieler ernährt).

Kevin versucht eines der erbeuteten okkulten Bücher zu lesen, mit dem Ergebnis dass sich alles Wasser in seiner Wohnung in Blut verwandelt (Badewasser, Küchenbecken…sogar Mineralwasser im Kühlschrank). Panisch ruft er Chris an, der beim Betreten der Wohnung erst einmal die Zähne ausfährt, was Kevin unsanft über die Existenz von Vampiren informiert und ihn veranlasst Chris aus seiner Wohnung zu schmeißen.

Trotzdem kann Chris (durch die geschlossene Tür!) Kevin doch noch überzeugen, dass er kompetent ist ihm zu helfen. Kevin zieht (tagsüber) erstmal ins Hotel und Chris untersucht (in der nächsten Nacht) die Wohnung. Das Blut ist mächtige Vitae! Chris putzt die Wohnung (talk about skurile Situationen).

Chris überredet Kevin die okkulten Gegenstände wieder zurück zu legen (erklärt sich sogar bereit das selbst zu erledigen, da Kevin das Haus nicht mehr betreten möchte). Dort verhandelt Chris mit dem „Dämon“ (offensichtlich ein sehr mächtiger Vampir – mächtiger als alles, was er bisher erlebt hat) und erfährt wie man den Fluch brechen kann: dafür braucht man nur eine Locke vom Haar einer Cousine von Kevin.

Wie es der Zufall will wohnte eine davon in SF und (noch mehr Zufall) handelt es sich dabei um Chris Freundin Laura. Wieder einmal erledigt Chris die Drecksarbeit für Kevin und besucht sie, stellt allerdings fest dass sie inzwischen einen festen Freund hat. Der Schock treibt ihn in die Zornraserei und er flüchtet (unter Aufwendung eines Willenskraftpunktes) aus der Wohnung (und lässt eine sehr verwirrte Laura zurück).

Die beiden versuchen dann das Ritual mit ein paar aus Lauras Haarbürste geklauten Fusseln durchzuführen, aber das klappt nicht (ich lasse würfeln – hätten sie eine echte Haarsträhne besorgt wäre das Ritual automatisch erfolgreich gewesen). Der Spieler von Chris empowert sich eine Haarsträhne welche Laura ihm in ihrer gemeinsamen Kindheit geschenkt hat. Ich finde das Detail cool, erweitert es doch das Bild des Charakters, und erlaube einen weiteren Wurf (wieder kein automatischer Erfolg da „alte“ Haarsträhne, aber immerhin ein +2 Bonus). Erfolg, der Fluch ist gebrochen!

Es folgt ein Treffen mit Hope (einer der Handlangerinnen von Old Man John Henry), welche Chris enthüllt hatte dass sie („damals in Russland“) an einem Projekt zur Erforschung okkulten Potentials beteiligt war und die möglicherweise Kevin beim Verständnis seiner besonderen Fähigkeiten helfen könnte. Leider wird das Treffen abrupt abgebrochen, weil Kevin in Trance etwas sagt was in Hope eine Furchtraserei auslöst und zur Flucht zwingt (so dass erstmal einige Mysterien ungelöst bleiben –aber später ist ja noch genug Zeit dafür…).

Fazit: Die Runde hat mir sehr viel Spaß gemacht, es gab viel Plot und Charakterentwicklung und langsam entwickeln sich einige Charaktere auch fast zu Selbstläufer, auf die ich nur noch reagieren muss. Wenn das so weitergeht könnten zukünftige Diaries sehr, sehr langweilig werden, weil ich nur noch positives zu berichten habe, womit der Sinn dieser Kolumne in Frage stehen würde.

Aber keine Angst: mindestens ein Diary (über die bereits abgeschlossene Session 6) kommt noch.

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