Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Dienstag, Februar 09, 2010

Blut & Neonlicht – Session 0

Nach einer kurzen Phase der Abstinenz vom Leiten sitze ich nun wieder im Sattel und fange mit einer neuen Requiem-Runde an. Nach kurzer Online-Abstimmung mit den prospektiven Spielern entschieden wir uns für 80er-Action, inspiriert durch New Age Requiem, die hippen, romantischen Antihelden-Vampirfilme der 80er (The Lost Boys, Near Dark, Begierde…) und natürlich dem ursprünglichen Spielgefühl der Maskerade.

Die Vorbereitung hat einige Erinnerungen an meine, inzwischen schon mehr als 10 Jahre zurückliegende, erste Vampire-Chronik wieder wachgerufen. Damals war ich der einzige der die Bücher kannte und ich erinnere mich noch gut an die Freude (und das Entsetzen) der Spieler, während sie langsam die Welt der Dunkelheit entdeckten.

Später, etwas abgeklärter, war das dann alles ein wenig weniger spektakulär: man kannte die Tropes und Herangehensweisen der Fraktionen, wusste was einen wahrscheinlich als nächstes erwarten würde, nachdem man in feuchter Erde verscharrt wurde. Man hatte immer noch Spaß mit Intrigen und Machtspielchen (welche natürlich nur aus einer Position der Sicherheit richtig gut laufen), aber der Zauber war verflogen.

Doch zurück zur derzeitigen Chronik: ich hatte fünf Spieler zusammengefunden, von denen ich zwei (vom Vampire-LARP) recht gut kannte (einer davon spielt sogar neben mir in der Battletech-Runde und hat auch schon in meiner kurzlebigen Deadlands-Kampagne mitgememacht). Ein weiterer Spieler ist erst vor kurzem aus München hergezogen und auf der Suche nach Anschluss, die restlichen Beiden studieren Philosophie in Leipzig (einer stellte spontan seine Wohnung als Spielort zur Verfügung).

Auf dem ersten Treffen stellte ich nochmal die Hausregeln vor und machte Vorschläge wo ich mit der Chronik hinwollte. Ich sagte auch, dass ich (um das Thema zu fördern) Nachteile nur in Form von „Beziehungen“ und „Zielen“ zulassen würde (also keine amnesischen Krüppel mit Sprachfehler) und dass ich Gummipunkte für das Ausspielen selbiger vergeben würde. Ferner teilte ich den Spielern mit dass sie nicht alles „at face value“ nehmen sollten, nur weil es im Regelbuch steht. Requiem ist deutlich modularer als Maskerade und ich behalte mir vor bestimmte Prozesse anders funktionieren zu lassen als beschrieben, um einen Funken Unsicherheit zu erhalten. Beispiele dafür sind Diablerie, Ghule, das Vinculum und sogar wie (und warum) Menschen eigentlich zu Vampiren werden – alles Dinge welche den Charakteren zu Beginn des Spiels nicht bekannt sind und welche möglicherweise vollkommen anders als gedacht ablaufen (oder auch gar nicht existieren).

Nach diesen Präliminarien ging es daran die Spielwerte festzulegen, die Charaktere mit Zielen und Verknüpfungen auszustatten und ein paar kurze Präludien zu spielen, um ein besseres Gefühl für das zu bekommen, was die Spieler vom Spiel erwarten.

Die Charaktere:

Unser Gastgeber baut sich einen Charakter basierend auf einem der Beispielcharaktere aus New Wave Requiem (Robyn Sloan), eine Kultistin des Kreis der Greisin vom Clan Mekhet. Der Spieler entwirft den Charakter „am Reißbrett“, komplett mit Motivation, Connections und Ambitionen, insofern gibt es nur wenig, was daran noch zu klären und abzustimmen ist.

Sein Kommilitone spielt mit dem Konzept eines drogenabhängigen Jazzmusikers (Jeffrey Rubinstein), überlegt erst diesen als Ventrue zu entwerfen, entscheidet sich dann aber schließlich für Daeva. Ich mache den Vorschlag eines sehr konservativen Erzeugers, welcher ihn bevormundet und dieser wird vom Spieler in sein Konzept integriert. Als „Kicker“ spielen wir kurz seine Flucht aus der Villa seines Erzeugers aus, nachdem er zufällig einige von dessen widerwärtigeren Pläne mitgehört hat.
Der Battletech-Mitspieler spielt ein Nosferatu-Gangmitglied (Javier Montenero), welches sich hauptsächlich durch seine sterblichen Verbindungen auszeichnet. Details zum Hintergrund werden sich wohl erst im Spiel ergeben, der Spieler ist noch etwas ausweichend in dieser Hinsicht.

Der Münchner will auch einen Ganger spielen, jemanden der als Mutprobe in ein Gebäude eingebrochen ist, welche sich als Zuflucht eines Vampirs entpuppte. Angesichts dieses Hintergrunds schlage ich Gangrel als Clan vor, was dem Spieler gut in den Kram passt. Da er noch etwas unbeleckt in Sachen Rollenspiel ist bittet er um Aufschub bei der Festlegung von Spielwerten, Hintergrund und Namen.

Der 2. LARPer will einen korrupten Detective der Drogenfahndung spielen. Ich höre mir sein Konzept an und bemerke dass der Kompetenzgrad den der Spieler sich vorstellt nur zu realisieren ist, wenn der Charakter mit zusätzlichen XP startet. Ich biete ich ihm an als Sterblicher zu starten und +35XP für die Erschaffung zu bekommen. Will er nicht. Auch die Idee den Detective wegzulassen und einen Streifenbullen zu spielen wird abgeschmettert. Schließlich entscheidet er sich für ein komplett anderes Konzept und spielt einen ambitionierten Schauspieler (Christopher Parker), welcher sich mangels Aufträgen als Callboy verdingt (und dabei unter ungeklärten Umständen zum Vampir wurde).

Auf diese Weise brachten wir (Klönen und Pizzaessen inklusive) gute 3 Stunden rum und entschieden uns (aufgrund der Müdigkeit des SLs und anderweitiger Verpflichtungen des Münchners) den Beginn der Runde bis nach den Prüfungszeitraum zu verschieben (leider erfuhr ich auf diesem Weg auch, dass die beiden Philosophen in einem Großteil der vorlesungsfreien Zeit – wo ich mich eigentlich intensiver um die Chronik kümmern wollte – nicht in Leipzig sind, was uns etwas ausbremsen, aber sicherlich nicht aufhalten wird).

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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