Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Montag, November 23, 2009

Dungeon.Slay.Rinse.Repeat.

Da letzte Woche ein Spieler fehlte und es in der derzeitigen Phase unserer Übernahme von Solaris VII (Achtung: hier spricht der Größenwahn) nicht so günstig wäre in weniger als kompletter Lanzenstärke aufzumarschieren holte unser SL schnell Dungeonslayers hervor und wir spielten einen kleinen One-Shot.

Am Anfang stand die Charaktererschaffung, welche relativ schnell über die Bühne ging. Allerdings auch nicht ohne Probleme: ein Spieler wollte einen Schwarzpulvermagier spielen, stellte aber fest dass die für das Spielen dieser Klasse erforderlichen Runenpistolen weit mehr kosteten als für Erststüfler an Startgeld vorgesehen war. Der SL löste das dergestalt, dass er dem Spieler erlaubt die Pistolen gegen die Hälfte seines Startgeldes (welches er vorher schon verdoppelt hatte) zu erhalten.

[Es folgen „Spoiler“ (ich nenne sie mal einfach so, auch wenn das Abenteuer dafür viel zu vorhersehbar ist) für das DS-Abenteuer „Herr der Ratten“.]

Es ging also los, in der üblichen Taverne, deren Besitzer ein kleines Rattenproblem im Keller hatte. Schnell ist eine Bezahlung ausgehandelt (ein Silber pro Rattenschwanz) und auf geht es zur demütigenden und frustrierenden Erststüfler-Standardbeschäftigung.

Schnell nimmt man sich der Ratten im Keller an und findet obendrein (die Überraschung hält sich in Grenzen) einen Durchgang zu einem Gewölbe. Dort entdeckt man zunächst eine Umkleidekammer mit Kultistenroben, dann eine Folterkammer mit einem zum Leben erwachenden Skelett. Nach dem Sieg über dieses schreckliche Geschöpf (und der schweren Verwundung unseres „Frontschweins“) geht es wieder nach oben, um unseren Vertrag neu zu verhandeln. ;)

Der Kämpfer ruht sich aus, der Magier verkauft derweil unsere Beute und kauft einen Heilzauber (gute Investition). Der Wirt kann uns leider nicht mehr Geld bieten, merkt aber an dass der Stadtrat sicher Interesse daran hätte eine Monsteransammlung (ja, wir haben etwas übertrieben) unter selbiger zu eliminieren. Mit Hinweis auf die Gefahren („Denken sie doch an die Kinder!“) leiern wir dem Rat das Versprechen auf 100 GM aus den Rippen.

Wieder im Dungeon nehmen wir uns einige Räume mit Ratten und Riesenratten vor, dann noch ein paar, und noch ein paar... schließlich kämpfen wir uns vor zu einer tieferen Ebene, wo wir an einer großen Tür scheitern, welche sich nicht öffnen lässt.

Also zurück zu dem einzigen Gang den wir bisher noch nicht untersucht haben, dort finden wir eine sehr große Spinne (und einige eingesponnene Ratten). In deren Magen (böser Engpass: welcher normal denkende Spieler (also nicht mit den Konventionen von Psychosnuff-D&D vertraute) Spieler kommt wohl auf die Idee die Spinne aufzuschneiden?) finden wir einen silbernen Schlüssel, welcher uns den Weg ins Finale ermöglicht.

Im auf diese Weise „freigeschalteten“ Level, oh Verzeihung...Raum, kämpfen wir gegen noch mehr Ratten und Riesenratten und zerstören schließlich den Altar des Rattengottes. Dies erweckt allerdings dessen Statue zum Leben, welche und böse zusetzt, die wir aber schließlich auch platt machen. Im Altar finden wir 1000 GM, welche wir natürlich mitnehmen, bevor der Tempel um uns herum einstürzt.

Fazit zum Abenteuer: Nette Abwechslung für Zwischendurch, keine Überraschungen oder Anspruch, wurde aber auch nicht erwartet. Wenn man sich drauf einlässt macht Hack&Slay Spaß und die unmittelbaren Erfolgserlebnisse beim Stufensammeln machen Laune. Auf Dauer (Kampagne) würde ich mir etwas mehr Anspruch wünschen, aber ich denke das ist kein Problem (alle "Bausteine" dafür sind im System vorhanden). Für ein Einsteigerabenteuer ist das Teil jedenfalls top.

Fazit zum System: Sehr unausgewogen. Die Charaktere fangen mit einem sehr hohen Whiff-Faktor an, verbessern sich aber (im Gegensatz zu den meisten Retro-Klonen) recht schnell (im Abenteuer stiegen unsere Charaktere bis Stufe 4 auf – in alter D&D-Manier gaben wir unseren Charakteren auch erst dann Namen, als sie diese Stufe erreicht haben). Das Steigerungssystem ist (ähnlich wie CODA von Decipher) der feuchte Traum eines Min-Maxers und macht es sehr einfach von Nulpe auf Held zu kommen, wenn man die Mechanik erst einmal durchschaut hat. Wie da Langzeitspielpotential bis Stufe 20 hergestellt werden soll erschließt mit sich nicht ganz, meiner Einschätzung nach ist das Spiel spätestens ab Stufe 10 tot.
Apropos tot: Auch größere Fixierung auf die Kernkompetenzen beschleunigt nicht die Kämpfe. Oft erfolgen hier einige Schlagabtausche, bevor signifikant etwas passiert. Insofern ist auch der Initiativewert relativ egal, da man ohnehin reihum agiert und darauf wartet dass man irgendwann einen Glückstreffer landet (bzw. dass der Gegner seinen Abwehrwurf versiebt). Interessante Entscheidungen um die Kämpfe aufzulockern sucht man vergeblich.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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4 Kommentare:

Anonymous Skyrock meinte...

Deckt sich übrigens mit meiner Einschätzung von DS als System. Ein uninspirierter Heartbreaker, der nicht wirklich etwas anders oder besser macht als die populäreren Vertreter, und an dem nur die große Menge an freien, fertig aufbereiteten Abenteuern bemerkenswert ist (die ich auch z.T. als Füller geklaut habe).

November 23, 2009 8:06 nachm.  
Anonymous Anonym meinte...

Als zur Abwechslung eingeschobenes Monstergehaue ganz brauchbar aber mir fehlte es an Leichtigkeit und sich Aufgrund ihrer sinnfreiheit aufdrängenden Talenten.

November 23, 2009 8:46 nachm.  
Anonymous Drak meinte...

Die Beschreibungen klingen schon nach fröhlichem Monstergeschlachte :)

Aber

"Denken sie doch an die Kinder"

klingt, als ob es teilweise wirklich von der untersten (Leyen-) Schublade war ;)

Muss sehr viel Spaß gemacht haben, den Satz bringen zu können ;)

November 25, 2009 5:46 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

Die Gruppe hatte sich auf Hack&Slay geeinigt und Hack&Slay wurde gespielt.

Der Satz kam nicht exakt in dieser Form vor, aber der Tenor war schon sehr plagiativ.

November 25, 2009 10:26 nachm.  

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