Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Donnerstag, Juli 09, 2009

Lindencon 2009: Was sonst noch so lief

Zum bereits 7. Mal fand in Leipzig die sommerliche Lindencon statt, diesmal erstmal im Jugendclub "Kaos", der zum einen zentrumsnäher, zum anderen schöner (es gab einen traumhaften See, an dem man spielen konnte) war und, am wichtigsten, über ein wesetlich weitläufigeres Gelände verfügte (was sicherlich diejenigen zu schätzen wussten, welche auf dem Gelände übernachteten und nicht von Nachtrunde oder Vampire-LARPern in ihrem wohlverdientem Schlaf gestört werden wollten).

Freitag
Die Savage Degenesis-Runde habe ich ja bereits in aller Ausführlichkeit beschrieben (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

Im Folgenden nahm ich noch an der Lesung von André Ziegenmayer teil (sehr interessant), dann radelte ich zufrieden mit dem Tag gen‘ heimatliches Bett.

Samstag
Der folgende Tag war leider sehr verregnet, was die Stimmung ein wenig nach unten zog, trotzdem begab ich mich voller Tatendrang auf das Con-Gelände.

Als erstes stand eine Runde Warhammer 40k-Schattenjäger bei Oliver Graute auf dem Programm, für welche ich auch tatsächlich einen der begehrten Plätze ergattern konnte.
  • Positiv: Das 40k-Setting hat doch mehr Potential als gedacht und bietet mehr, als Mutanten und Xenos zu schnetzeln
  • Positiv: Ollie ist ein sehr guter Spielleiter, der besonders bei der kurzen, knackigen Beschreibung von Szenerie voll in seinem Element ist. Seine Beschreibungen des „Space Hulks“ auf dem sich der Hauptteil des Abenteuers abspielte waren der Beweis dass „stimmungsvolles Rollenspiel“ nicht gleichbedeutend mit „der SL hat eine A4-Seite mit der Beschreibung einer Blumenwiese“ sein muss – die Texte waren sogar sehr kurz und knackig und gerade deswegen sehr gut.
  • Neutral: Zwar konnte ich mich für die Spielwelt begeistern, das System ist aber weiterhin ein großer Minuspunkt, da es für meinen Geschmack zu umständlich und unlogisch ist.
  • Negativ: Leider lies das verwendete Abenteuer („Spiel auf Zeit“) – wie auch das Demoabenteuer „Zerbrochene Hoffnung“, welches ich schon gelesen hatte – kaum signifikante Spielerentscheidungen zu. Schade, so haftet der (ansonsten hervorragenden) Runde leider ein fahler Beigeschmack an.
Im Folgenden hatte Oliver Graute eine Lesung seines neuen Engel-Romans, von der ich noch das Ende mitbekam. Nett, aber wirklich vom Hocker gerissen wurde ich davon nicht – dafür wirkten die Protagonisten einfach zu hölzern, aber vielleicht sind meine Ansprüche an Rollenspiel-Literatur auch zu hoch.

Es folgte die unvermeidliche Tombola, welche sich scheinbar endlos in die Länge zog. Da jedoch die Folgenden Spielrunden erst danach ausgehängt werden sollten, gab es nichts Besseres zu tun und so saß ich halt dort und wartete ab, wer dieses Jahr „Wraethru“ abräumen würde (Hendrik erwies sich dann als Besitzer des „glücklichen“ Loses).

Es folgte eine Runde des Deadlands-Abenteuers „Erntezeit“ von Masterbrain, welches ich für die Reloaded-Ausgabe des Spiels konvertiert hatte. Wegen des (aufgrund der Tombola) leicht gekürzten Timeslots ließ ich die Walking Dead aus dem Abenteuer raus, weil diese sich unter Umständen zu einem red-herring entwickeln und das Abenteuer zu sehr in die Länge ziehen könnten. Die Spieler hatten größtenteils Spaß. Ich sage „größtenteils“, weil einer der Spieler eher vom deutschen Stimmungsspiel inspiriert war und lieber einen Taschenlampenfallenlasser spielen wollte, als Spaß auf der Jagd nach Killerinsekten zu haben. Für den trockenen Humor des Settings war er komplett unempfänglich. Während die anderen Spieler sich in das Rollenspiel mit den Dorfbewohnern stürzten (natürlich um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen), wollte er lieber ausspielen, wie er einsam im Saloon seinen Whiskey trinkt oder mit dem Wirt über Zimmerpreise verhandelt – und dann war er auch noch angepisst, dass ich diese Trivialitäten mit einem schnellen Würfelwurf abgehandelt habe, statt sie breit und ausführlich auszuwalzen, damit die anderen auch ja nicht zum Spielen kommen. Natürlich machte er seiner Unzufriedenheit keine Luft, sondern fraß sie lieber in sich herein und saß als verkniffene Arschkrampe die Runde mit finsterer Miene bis zum Ende ab.

Feedback zum Abenteuer: Leider empfand ich dieses als sehr linear, mit nur wenigen Möglichkeiten für die SC aus der Ereignisfolge auszubrechen (sieht man einmal von der „Abenteuer beendet Option ab, einfach die Stadt zu verlassen), und manchmal auch lückenhaft (Woher weiß der Betrunkene das mit dem Brunnen, was kann er den Spielern erzählen, wenn sie ihn wider erwarten doch ernstnehmen? Wie zum Teufel sollen die Spieler auf Ryland als Drahtzieher kommen? Etc.). Außerdem hätte ich mir eine etwas größere Anzahl an NSC gewünscht, da ich nicht sehr gut darin bin, diese spontan zu erschaffen. Das alles stellte der Qualität des Abenteuers nicht in Abrede, aber es war an einigen Stellen doch etwas „holprig“, den Anschluss an den nächsten Abenteuerteil zu bringen. Als ich dasselbe Abenteuer eine Woche später erneut leitete (nachdem ich die Elemente gründlich „kanbanisiert“ hatte), lief das schon wesentlich flüssiger.

Nach einer Lesung von Christian von Aster (ebenfalls ausgezeichnet) und während ein Großteil sich schon für das Vampire-LARP umzog ging ich in Richtung meiner Schlafstätte und ruhte mich aus. Leider etwas zu gut, so dass ich am Sonntag erst kurz nach halb 12 erwachte – etwas zu spät um noch zur LC zu radeln und dort meine „Wechselbalg“-Runde mit Solar System-Regeln zu leiten. Naja, spätestens zur nächsten Lindencon hole ich das nach.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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1 Kommentare:

Anonymous Montano meinte...

Leider hast du Samstag Nacht net mehr Vampire Live gespielt. Habe dich im Spiel vermisst und vor allem hast du mich um den angedachten Gangrel gebracht.

Juli 09, 2009 11:00 nachm.  

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