Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Mittwoch, Juli 08, 2009

[AP] Komische Vögel, Aragonesen und Bunker... (Teil 3)

Die Gruppe zieht weiter nach Norden und erreicht gegen Mittag ein kleines Bergdorf, welches dem Bleicher verdammt bekannt vorkommt (geschaffter Verstand-Wurf). Nach Verlassen des Dispensers ist er hier schon einmal durchgekommen und weiß, daß hier Jehammedaner leben. Die Gruppe ist bereits drauf und dran auf der Ferse umzukehren und das Dorf zu umgehen, da bemerken sie etwas seltsames: im Dorf sind nur Kinder, Frauen und alte Männer zu sehen – kein einziger von denen sieht wie einer der furchtbaren Krieger aus, für die Jehammedaner so bekannt sind. Beruhigt (und etwas neugierig geworden) betritt man dennoch das Dorf.

Von der völlig verängstigten Bevölkerung erfährt man (nach anfänglichem Mißtrauen), daß das Dorf unter der Knute von „Dämonen“ mit „Feuerstöcken“ steht, welche jeden Widerstand brutal niederschlagen und sich auch sonst ziemlich arschig aufführen. Schnell sind die Dämonen als Bleicher identifiziert (Siemens ist sehr beunruhigt, da er weiß daß der Bunker ziemlich in der Nähe ist) und man überlegt, wie man mit denen am Besten fertig werden könnte.

Die Gruppe teilt sich auf, um das Hauptquartier der Bleicher im Dorf zu finden (ihnen wurde gesagt, daß die „Dämonen“ tagsüber schlafen – nicht ganz richtig, aber die Charaktere hinterfragen das nicht). Siemens wird während der Suche von einem Mitglied besagter Bleicher kontaktiert und ihm wird angeboten sich der hier lebenden Gruppe anzuschließen.

Auf die Frage was sie denn hier treiben würden, erhält er einige beunruhigende Details über den Kontext der jüngsten Ereignisse: Vor etwa einem Monat gab es ein unbefugtes Eindringen im Dispenser. Die Eindringlinge wußten offensichtlich sehr genau, wie sie die Sicherheitssysteme des Bunkers umgehen konnten und waren in der Lage die Wachen auf die sie trafen schnell und effektiv auszuschalten (ehrfürchtig flüstert einer der Spieler „Shadowrunner!“ – die gesamte Runde bricht in Gelächter aus). Ihre Beute: ein Kryotank samt Schläfer. Die Bleicher im Dispenser werden erst auf die Eindringlinge aufmerksam, als diese schon fast wieder draußen sind. Während deren Rückzugsgefecht wird irgendwie das automatische Verteidigungssystem des Bunkers aktiviert, welches Bleicher und „Runner“ gleichermaßen angreift. Im allgemeinen Chaos entkommen die Eindringlinge, aber das Verteidigungssystem greift auch weiterhin alle Ziele innerhalb des Bunkers an.

Unter großen Verlusten schafft es eine Gruppe von Bleichern den (zur Todesfalle gewordenen) Bunker zu verlassen und siedelt draußen. Sie stehlen Ressourcen aus den umliegenden Siedlungen als Vorbereitung für den Winter und nehmen „Zwangseingliederungen“ von deren Kindern vor, um in Zukunft über einen größeren Genpool zu verfügen. Ihr Anführer schickt außerdem regelmäßig Leute in den Bunker, um auszukundschaften ob eine Rückkehr möglich ist (bisher ist niemand zurückgekehrt).

Siemens hört sich das Ganze entgeistert an und sagt dann, daß er sich mit dem Anführer unterhalten muß – bisher hätten die Bleicher Glück gehabt, aber früher oder später würden sie es mit jemandem zu tun bekommen, der ihnen (überlegene Ausrüstung hin oder her) den Garaus machen würde. Dann geht er zurück und erzählt den beiden Apoks vom Dilemma (und der Blödheit) seiner Leute.

Die haben inzwischen auch den Schlafplatz der Bleicher gefunden und überlegen schon Angriffsstrategien, angesichts der neuen Informationen entschließen sie sich jedoch zunächst für offene Verhandlungen. Sie sind auch der Meinung, daß die Bleicher aus dem Jehammedanerdorf weg müssen (weniger aus Altruismus, als aufgrund der einfachen Rechnung daß dadurch früher oder später noch Ärger entstehen könnte), aber wohin sollen sie sonst? Kein Problem: das Dorf „Querella“ ist ja schon geschwächt und ist der Gruppe ohnehin ein Dorn im Auge. Wenn die Bleicher dem dortigen Raben den Garaus machen würden, so könnten sie dort siedeln. Natürlich würde das bedeuten, daß die Bleicher nicht mehr im Verborgenen agieren könnten, weshalb sie Unterstützung (hauptsächlich in Form von Kontakten und Informationen über ihre „Nachbarn“) bräuchten.

Einige Tage später – zurück in „Knochen“ – unterbreitet die Gruppe ihrem Raben diesen Plan. Dieser ist der Idee gegenüber durchaus aufgeschlossen, da die Apoks dadurch mit nur geringem Aufwand ein paar mächtige Verbündete gewinnen würden, was ihren Ansprüchen in der Region Nachdruck verleiht. Die Eliminierung seines überaus lästigen Rivalen ist nur das Sahnehäubchen.

Noch ein paar Tage später wird der Deal perfekt gemacht, dann folgen einige Vorbereitungen und eine Woche später ist das Querella eingenommen, die Bewohner entweder tot, unterjocht oder geflohen. Ein klarer Sieg, mit nur geringen Verlusten („Typisch Apoks: bringen ein Messer zu einer Schießerei!“).

Siemens hat größeren Respekt innerhalb seines Kultes gewonnen (er ist zwar kein Demagogen-Material, aber die alten Herrschaftsstrukturen sind sowieso im Umbruch begriffen, daher könnte seine Zukunft durchaus rosig aussehen...), die Eule hat reiche Beute gemacht...nur der Specht ist relativ leer ausgegangen, weshalb er noch einen Versuch unternimmt den Bleichern eine ihrer UZIs als „Freundschaftsgeschenk“ abzuschwatzen. Zwar gelingt das nicht, aber zumindest erhält er ein „Sonnenauge“ (Nachtsichtgerät). Auch nicht schlecht.

Da noch Zeit ist mache ich den Spielern das Angebot lose Enden zu verfolgen (versuchen die „Shadowrunner“ aufzuspüren oder herauszufinden ob man nicht doch irgendwie in den Bunker kommt, ohne abgeschossen zu werden oder überlegen wie man mit dem dezimierten Jehammdanern verfährt...) oder einfach nur wahl- und plotlos die Spielwelt zu erkunden (ihr Schriftgelehrter erwähnte etwas von einem „schwarzen Bollwerk“ südlich von Querella), aber die Spieler sind so zufrieden mit dem Erreichten und überwältigt vom Tempo des Spiels, daß sie sich erst mal ausruhen wollen.

Fazit: Ich hatte viel Spaß. Vom geplanten Plot habe ich fast nichts verwendet, dafür gab es viele zufallsgesteuerte „Sub-Plots“, die eine ganz eigene Qualität entwickelt haben. Die Spielwelt (oder zumindest ein kleiner Teil davon) wurde durch die Spieler ordentlich umgepflügt und ich bin gespannt wie sich das Ganze noch entwickeln wird. Ich habe große Lust die Entwicklungen weiter zu verfolgen (vielleicht als „offene Spielwelt“ mit wechselnden Spielern, wie bei Skyrocks Kopikala?).

Degenesis rockt jedenfalls ganz gewaltig. Bis auf zwei Ausnahmen (eine wo ich mich vertan hatte, eine wo ich den Quellentext einfach anders interpretiert habe) war auch der langjährige Degen-Spieler mit meiner Interpretation der Spielwelt, sowie der Abbildung derselben als Teil der Savage Worlds-Engine sehr zufrieden. Ich wünschte mir nur ein etwas besser organisiertes Regelwerk, damit ich wichtige Informationen schnell wiederfinde, aber glücklicherweise hatte ich ja den Spieler am Tisch sitzen, der genug des Hintergrundes auswendig kannte, um auf Stichwort eine umfangreiche Anhandlung zu einem beliebigen Thema auszuspucken (meine low-tech „Degenesipedia“ ;) ). Vielen Dank dafür!

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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2 Kommentare:

OpenID pihalbe meinte...

Feiner Bericht und echt eine Menge Zeug für eine Con. Macht Lust auf selber spielen. Danke!

Juli 09, 2009 12:27 nachm.  
Anonymous Skyrock meinte...

(vielleicht als „offene Spielwelt“ mit wechselnden Spielern, wie bei Skyrocks Kopikala?)

+++ SKANDAL! Meinungsführender Erzählspieler wechselt ins Oldschoollager! +++ Kam die Subversion durch eine deutsche Kopierkatze von Jeff Rients zustande? +++ Ist Alexandro bereits ein Proxy des RPGPundit? +++

Im Ernst: Die Parallelen sind bereits groß, und die Ereignisse und die Spielerhandlungen lesen sich nicht sehr unterschiedlich zu dem, was bei Kopikala geschieht. (Nur dass ich gar keinen Plot plane, sondern allenfalls Verwicklungen die von den Spielern entdeckt und aufgegriffen werden können, wie z.B. aktuell in Session #3 die Verwicklungen um die ausgetauschte Gräfin von Oakenburgh).

Juli 10, 2009 4:20 nachm.  

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