Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Sonntag, Februar 22, 2009

Das kann die Vierte…

Die 4. Edition von D&D muss sich ja einiges gefallen lassen, teilweise berechtigte, teilweise unberechtigte Kritik prasselt auf sie herab. Damit will ich mich aber nicht näher auseinandersetzen, jedoch fiel mir kürzlich ein Punkt auf, in dem die Vierte Edition klar besser (statt nur "anders" oder "unrealistischer", je nachdem welcher Argumentationslinie man folgt) als D&D (ab der Dritten, spätestens ab 3.5) ist.

Dieser Vorteil liegt ganz klar in der Implementierung der Regeln. Bei 3.5 hatte man in weiten Strecken den Eindruck, dass man ein M:tG-Turnierregelbuch vor sich hat. Erst einmal musste man schauen, zu welcher Handlungskategorie (Move, Standard, Full) die Aktion gehörte. Dann gab es eine ganze Latte von Bedingungen und Richtlinien, welche erfüllt werden mussten, damit eine Aktion eingeleitet werden konnte. Dann musste man schauen, welche Optionen dem Gegner zur Verfügung standen und zu welchem Zeitpunkt innerhalb der Aktionsauflösung diese erfolgen konnten. Und schließlich musste man noch überprüfen, was für regeltechnische Auswirkungen aufgrund der Aktion zulässig sind.

Schauen wir uns das einmal am Beispiel von Bull Rush an: Erst das Feld des Gegners betreten, angrenzende AoOs auflösen, festlegen ob AoOs eventuell den Gegner treffen, dann vergleichende Stärke-Probe, mit Bonus oder Malus entsprechend der Größe. Bei Erfolg schiebt man den Gegner 5 + (Differenz/5) Fuß zurück (der Bonus greift nur, wenn man sich mit bewegt). Bei Misserfolg landet man wieder auf seinem Ausgangsfeld. Bull Rush zählt als Angriff und damit als Standardhandlung, außer wenn man gleichzeitig einen Charge macht (der nebenbei, ungeachtet der Tatsache dass man sich dabei bewegt, keine Move sondern eine Full Round action ist).

Verwirrt? Es kommt noch besser: bestimmte Karten…oh Verzeihung: Regeln… haben noch ganz andere Auswirkungen darauf, was hier tatsächlich passiert, das o.g. sind nur die Standardregeln, ohne irgendwelchen Schnick-Schnack.

Im Gegensatz dazu, Bull Rush nach den Vierten:

Target: You can bull rush a target adjacent to you that is smaller than you, the same size category as you, or one category larger than you.

Strength Attack: Make a Strength attack vs. Fortitude defense. Do not add any modifiers for the weapon you use.Hit: Push the target 1 square, and shift into the vacated space.

Impossible Push: If there's no square you can push the target into, your bull rush has no effect.

Klare Regelung, normaler Angriff gegen statischen Wert (der oft bereits Größe des Ziels berücksichtigt), kein "Reise nach Jerusalem"-Spiel beim Angreifen (Beweg dich ins gegnerische Feld…beweg dich wieder zurück) sondern klare, nachvollziehbare Effekte (bei Erfolg wird der Gegner ein Feld weiter geschoben und der Angreifer "rückt nach"). Kurz und schmerzlos.

Ausnahmen sind direkt in Spezialfähigkeiten integriert und erfordern dank einer übergreifenden Kategorie für Bull Rush ("Push") auch weniger Ausnahmeregelungen.

Mach das nach, Pathfinder!

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10 Kommentare:

OpenID greifenklaue meinte...

Theoretisch muss es heißen, vormachen. Und die Vereinfachung des Kampfmanöverbonus ist in der Tat eine gute, die solche Situationen relativ leicht auflösen läßt.

Februar 22, 2009 11:28 nachm.  
Anonymous ghoul meinte...

Kleine Belehrung:
Pathfinder tut das.
;-)

Februar 23, 2009 11:00 vorm.  
Blogger alexandro meinte...

Dann haben sie offensichtlich die richtigen Lehren gezogen.
Schön dass es solche Einsicht noch gibt (besonders da im Alpha & Beta playtest von einer solchen Vereinfachung noch *gar nichts* zu spüren war).

Februar 23, 2009 12:30 nachm.  
Anonymous ghoul meinte...

Ich spreche von Pathfinder beta.
Die Manöver sind jetzt einheitlich, unkompliziert und schnell durchführbar.
Ist halt ein Zwischending aus D&D3.5 und "D&D"4.

Februar 23, 2009 4:55 nachm.  
Anonymous Anonym meinte...

Der letzte Pathfinderstand den ich kenne, sah der 4e wirklich sehr ähnlich. Der Unterschied dürfte darin liegen, das es ein paar mehr Ansatzpunkte für AoOs gibt und das man immer noch mehr ein Feld zurückdrängen kann (was ja nun wirklich nichts schlechtes sein muss).

Das einzig unschöne am Pathfinder- Manöver- System ist IMHO das der (statische) Grundwert gegen den gewürfelt wird bei 15 statt bei 10 anfängt. Mir hat diese zusätzliche Schwiergikeit bei unserem Pathfinder-Testlauf schon etwas den Wind aus den Segeln genommen was meine Euphorie anging, aber wenigstens die Sprücheklopfer wird es wohl freuen das Grapple nun etwas schwerer einzuleiten ist.

Februar 23, 2009 11:22 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

@Anon: Hat man sich wenigstens um das verquarzte Aktionstypen-System gekümmert (in der Beta sah das sogar *noch* schlimmer aus als bei 3.5 - sie haben allen Ernstes einen eigenen Aktionstyp nur für "feather fall" erfunden *g*)?
Aus deiner Aussage entnehme ich, dass es Combat Maneuver AB und zugeörige, eigenständige DCs noch gibt. Suboptimal.
Bei vielen der Manöver wurde zudem einfach nur Text gestrichen, unter der Prämisse "das kann man sich ja denken". Auf diese Weise denkt man sich zunächst "hey, weniger Text. Das Manöversystem wurde total vereinfacht.", obwohl es nur die alten Regeln in der "light"-Version sind und nichts wirklich neues (teilweise gar sinnentstellend, so dass man bei Bull Rush jetzt plötzlich in der Lage ist, den Gegner mehr als ein Feld zu schubsen, ohne dass man sich mitbewegt - Naruto lässt grüßen 8)).

Februar 24, 2009 12:18 vorm.  
Anonymous Anonym meinte...

Bei den Aktionstypen habe ich keinen großen Unterschied zu 3.5 erkannt. Habe auch nicht großartig darauf geachtet.

Verschieden sind die DCs für die Manöver nicht. Es gibt einen Manöverbonus (Standardangriff mit invertiertem Größenbonus), und einen dazu passenden passiven Wert "15+Manöverbonus". Klar gibt es immer noch Haken und Ösen (Unbewaffneter Versuch zu Entwaffnen = -4 auf den Wurf (wäre unter 4e auch nicht anders da fällt der Waffenbonus weg, also effektiv ein Malus)), aber der DC ist für jedes Manöver gleich.

Nur im Schnitt ist einem der passive Teilnehmer halt 5 Punkte vorraus. Gegen "gleichwertige" Gegner sollte man also statt 10+, eher 15+ würfeln um etwas zu erreichen. Das, in Verbindung mit den immer noch reichlich vorhandenen AoOs, hat mich irgendwie entmutigt.

Was Bullrush angeht, ist mittlerweile (wieder) klar das man dem Gegner hinterherziehen muss um ihn durch die Gegend zu treiben. Ob es dabei untereinander (was unter 3.5 nicht passiert wäre) oder gegenüber außenstehenden (was unter 3.5 passiert wäre) AoOs hagelt war nicht so klar erkenntlich.

Februar 24, 2009 12:55 vorm.  
Anonymous ghpul meinte...

Ihr habt Probleme.
Ein Plattenkrieger ist kein Gummiball. D&D ist nicht dafür gedacht, ständig "coole" Manöver zu machen. Dafür gibt es genug Pulp-Erzählspiele. Die macht man bei D&D im Extremfall. Deshalb: hohe Schwierigkeit, Gelegenheitsangriffe (probiert es doch mal im LARP).
Und dass man beim Zurückdrängen den Gegner gewaltsam vor sich her schiebt (nicht "nachrücken muss"!), versteht sich von selbst, wenn man nicht bekloppt ist.

Februar 25, 2009 8:26 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

@guhlgelhupf:
Es geht nicht um "coole Manöver" es geht um stinknormales vor-sich-her-schieben.

Und die höhere Schwierigkeit wird IMO schon einmal dadurch simuliert, dass dieser "Angriff" keinen Schaden macht, da man seine ganze Energie auf das Zurückdrängen konzentriert (so funktioniert das übrigens auch im LARP - noch nie erlebt dass mein Gegner auf einmal einen zusätzlichen Angriff bekommt, nur weil ich ihm jetzt zuleibe rücke ;) ).

Ein *unnötiges* Subsystem zu schreiben, welches nach X Schritten immer noch zum selben Ergebnis kommt, halte ich persönlich für kontraproduktiv (besonders wenn es, wie im Falle von Pathfinder, den Gegner in einen Gummiball verwandelt, sofern man es nicht stark hausregelt...)

Februar 26, 2009 4:20 vorm.  
Anonymous guhlgelhupf meinte...

Hm. Im LARP kommt es wohl eher darauf an, wer welche Bewaffnung/Wappnung hat, um festzustellen wer wen zurückdrängen kann ohne eine Blöße zu bieten.
Zum Glück wird das in Pathfinder nicht abgebildet. Für meinen Geschmack hat PF schon so einen zu hohen Regeldetaillierungsgard (das ist doch da, was Dich auch stört?).

Februar 28, 2009 6:57 nachm.  

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