Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Was bei Traveller nicht stimmt...

...ist gleichzeitig symptomatisch für andere, simulationsgeprägte Rollenspiele.

Traveller ist ein Simulation, welche Modelle liefert, um ein funktionierendes Universum zu entwerfen, welches die Spieler erforschen können. So zumindest die Behauptung.

In Wahrheit ist es jedoch so, dass der Modellbau hauptsächlich um seiner Selbst Willen geschieht und nicht auf die Konsistenz der Welt zugeschnitten ist. Die Fixierung auf die Makrostruktur lässt klaffende Lücken erkennen, sobald die Charaktere die Welt betreten.

In Buch Zwo wird bspw. die Gestaltung des Sonnensystems breiter ausgewalzt, inklusive ausführlicher Modellierung von Albedo und Klimawandel. Dafür wird auf nützliche Werkzeuge für den SL, wie z.B. eine Modellierung der Umlaufzeiten der Planeten, komplett verzichtet.

Was für Auswirkungen hat das nun konkret? Nun, rein rein ästhetische Details , welche ungefähr so wichtig sind wie die Auigenfarbe der Charaktere werden durch Modelle abgebildet, wichtige Spielinhalte (für Reisezeiten zwischen den einzelnen Planeten) dagegen bleiben blank.Genauso verhält es sich mit dem Rest der Planetenerschaffung: das Ganze System ist eine Beschäftigungstherapie für den SL, kein Werkzeug zur Generierung glaubwürdiger, umfangreicher Welten. Wenn man jetzt sagt "Ja, aber das kann der SL doch selber entscheiden!", dann frage ich: warum dann überhaupt Modelle, warum etwas modellieren das keinen interessiert und dafür die wichtigen Punkte schemenhaft belassen. Wenn nur in Pappmaché-Kulissen gespielt wird und der SL bei Fragen von Spielerseite ins Stocken gerät, dann kann auch die vielzitierte Immersion nicht so recht aufkommen.

Viele Epigonen (u.a. auch Cyberpunk) tappen in diese Modellierungsfalle und beschränken den SL unnötig, ohne ihm seine Arbeit einfacher zu machen.

Dass es auch anders geht, zeigt z.B. Harnmaster, bei welchem sich jedes Modell- vom kleinsten (Familie) bis hin zum größtem (Plattentektonik und Meeresströmungen)- unmittelbar auf die Erlebnisse der Charaktere im Spiel rückbeziehen lässt und durch eben diesen Bezug eine extrem glaubhaften und stimmige Spielwelt spinnt, welche die Spieler in ihren Bann schlägt.

Damit bleibt es noch das brauchbarste unter den Makrostruktur-Systemen (in Abgrenzung zu den Mikrostruktur-System, wie oD&D und beide WoDs, wo die Spielwelt erst entsteht während die Spielfiguren sie entdecken).

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Labels:

4 Kommentare:

OpenID pihalbe meinte...

GURPS Space (4th) geht da einen etwas anderen Weg. Es geht zwar ausführlich auf die Generierung realistischer Sternensysteme ein und in Ermangelung eines festen Settings geht es nicht detailliert auf Reisezeiten ein. Dafür bietet es aber sehr gute Auflistungen (und dazugehörige Erklärungen) von Dingen, über die sich die SL bei Erschaffung der Welt im Klaren sein muss. Dazu gehört auch: wie schnell ist mein Sternendrive (und welchen Typ nehme ich überhaupt und wie funktionieren die)?
Generell ist in GURPS Space nie etwas konkretes zu finden. Aber eine bessere Bauanleitung für Weltraumszenarien mit Sternensystemen, Technik, Gesellschaft, Aliens und Abenteuern wird man wohl schwerlich finden!

Oktober 30, 2008 9:40 nachm.  
Anonymous Vermi meinte...

Ich kenne Traveller nicht, aber ich kenne das von dir beschriebene Phänomen, dass bestimmte Dinge festgelegt/zufallgeneriert/sonstwie vor böser Spielleiterwillkür geschützt werden, was aber im Ergebnis bei näherer Betrachtung beliebig ist.

Andererseits macht Zufall, auch wenn er punktuell ist, die Dinge ggf. interessanter. Kommt immer drauf an.

Oktober 31, 2008 10:43 vorm.  
Blogger DealgAthair meinte...

... hmmm. Worauf willst du hinaus?
Spielt Hârnmaster!?

Das kann es doch nicht sein, oder?

Oktober 31, 2008 12:20 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

Nein.
"Achtet darauf, was eure Systeme simulieren sollen."
wäre eine treffendere Aussage.

Oktober 31, 2008 12:43 nachm.  

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

Links zu diesem Post:

Link erstellen

<< Startseite