Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Montag, August 11, 2008

Odyssee 2008- Take it easy on the steam

Wieder eine Odyssee hinter mir und ich kann sagen: ich bin zufrieden. Viele nette Bekanntschaften aufgefrischt und neue Systeme kennen gelernt, was wieder die Vorteile von kleinen Cons gegenüber anonymen Großveranstaltungen wie der RPC (wo ohnehin nicht mehr Runden angeboten wurden, als z.B. bei der LindenCon oder der Odyssee- der Großteil der RPG-Halle wird da ohne hin von Blödelmech und Kriegshammer Kiddies eingenommen und von den wenigen tatsächlich stattfindenden Runden waren ein Großteil Demos der Autoren oder Verlage) herausstreicht.

Doch alles der Reihe nach. Am Donnerstagabend kam ich in Berlin an, verstaute meine Sachen und frönte dann der Nachtkultur in Form einer Interpretation des „Sommernachtstraum“ im Theater Hexenkessel. Sehr unterhaltsam und empfehlenswert.

Am Freitag stöberte ich noch ein wenig durch Berlins Rollenspiel-Läden- weniger wegen Rollenspielen, sondern vielmehr wegen meiner stetig wachsenden Mini-Begeisterung. Leider hatte Gwindi geschlossen, aber bei Gamers HQ entdeckte ich zumindest ein paar recht günstige Piraten Miniaturen von Black Scorpion, welche mir sicherlich bei Solomon Kane gute Dienste leisten werden.

Auf der Odyssee angekommen schrieb ich mich entgegen meiner Vorbehalte gegenüber Con-Runden der WoD in die Wraith Runde ein: die Gelegenheit dieses (doch für den SL sehr fordernde) System als Spieler erleben zu dürfen war doch zu verlockend, auch wenn der SL offen zugab dieses noch nie geleitet oder auch nur gespielt zu haben. Trotz dieser Einstiegshemmnis war die Runde ein voller Erfolg, besonders da sich der SL als Vorbereitung recht intensiv mit der Geschichte der deutschen Kolonien in Afrika informiert hatte (inklusive gruseliger Details über „Traditionsvereine“, an welchen er uns natürlich teilhaben ließ) und es daher meisterhaft verstand die dortige Gesellschaft darzustellen. Der einzige Kritikpunkt an der Runde wäre eventuell, dass die Spielfiguren erst frisch verstorben waren und das in einer Region wo es kaum andere Geister gab, so dass die wirklich interessanten Aspekte des Wraith-Universums (die komplexen Gesellschaftsstrukturen und Abhängigkeiten) praktisch ungenutzt blieben.

Am Samstag nutzte ich die Gelegenheit endlich einmal das in meiner Heimatstadt vielgehypte Rollenspiel Ratten! auszuprobieren, besonders da ich schon ein paar Mal bei diesem Spielleiter gespielt hatte (u.a. meine Don’t Rest Your Head Runde beim vergangenen Odyssee) und wusste dass dieser genug auf dem Kasten hat, um aus der Runde keine Zeitverschwendung zu machen. Natürlich war ich daher nicht überrascht, dass die Runde so richtig rockte und alle Beteiligten vor Lachen am Boden lagen. Außerdem hatten wir als Gruppe wirklich beeindruckende Erfolge (gegen einen Menschen gekämpft, die Oberwelt gesehen, eine Katze getötet und einen Frieden mit einer außerhalb der Rattenburg lebenden Rotte ausgehandelt), so dass alle Beteiligten Ratten zum Ende der Spielsitzung einen neuen Namen ihr Eigen nennen durften.

Im folgenden Block wollte ich eigentlich spontan noch etwas anbieten und hatte eine Sorcerer-Runde angedacht, allerdings fand sich dafür nur ein einziger Spieler, also lies ich es bleiben. Insgesamt nicht wirklich ungewöhnlich, viele Spieler (mich eingeschlossen) wählen ihre Runden eher aus dem Programm aus, da kann man meist schon anhand der Rundenbeschreibung erlesen, ob es sich bei dem SL um einen Nappo handelt oder um jemanden bei dem man gerne spielen würde. Bei Spontanrunden (wo diese Beschreibungen ohnehin kaum vorhanden sind) hat man diesen Vorteil nicht.

Leider machte ich dann eben diesen Fehler, mich in eine Spontanrunde Houses of the Blooded einzuschreiben, ohne mir die (immerhin vorhandene) Rundenbeschreibung durchzulesen. Hätte ich das getan wäre mir der schwaflige Stil selbiger aufgefallen und ich hätte gewusst, was mich erwartet. Naja, Schwamm drüber. Das System ist jedenfalls sehr unausgegoren, mit einer wilden Mischung aus durch den SL dargebrachtem Hintergrund, Stakes-Setzen und freiem Erzählen, wobei nie wirklich klar war, was denn nun zu erzählen erlaubt war und man immer wieder vom SL durch ein „geht nicht“ unterbrochen wurde. Auch die Tatsache dass die eingesetzten Aspekte Bonuswürfel geben können, wenn sie anwendbar sind, man aber erst den genauen Ablauf der Handlung beschreiben kann, nachdem man gewürfelt hat schießt sich dabei selbst ins Bein. Ich hoffe jedenfalls inständig, dass John Wick dieses Spiel vor der Veröffentlichung noch einmal überarbeitet, denn das Setting erschien mir sogar recht interessant und hat ein besseres System verdient.

Parallel fand noch irgendein seltsames LARP statt (weiß nicht worum es ging, aber die Teilnehmer erinnerten mich irgendwie an Cosplayer von Hellsing oder ähnlichen Mangas), dann ein öffentliches Memento-Rollenspiel: mehrere Spieler spielten nacheinander denselben Charakter und hatten dabei nur die Notizen welche sich die vorhergehenden Spieler gemacht hatten zur Verfügung (war recht lustig, auch wenn der letzte in der „Kette“ es ordentlich versiebte). Es folgten Quiz (Notiz an mich: beim nächsten Mal mitmachen) und Tombola. Letztere war diesmal sehr mau, irgendwie sahen die Spenden an die Odyssee schon besser aus die meisten Sponsoren scheinen der Meinung zu sein, dass es sich nicht mehr lohnt etwas tolles in den Topf zu werfen (ich habe schon Vermutungen, wer oder was dafür verantwortlich sein könnte, aber das ist eine andere Geschichte). Zumindest nahmen noch einige an der Versteigerung teil, atmeten erleichtert auf, wenn sie keinen Kalender oder WoW-Kartenspiel gewannen und schielten neidisch auf die wenigen guten Preise (Shadowrun 3.01 Quellenbücher, D&D Hardcover, Mage Knight Minis…), selbst wenn diese auch nicht mehr ganz aktuell waren. Eigentlich hatte ich mir ja fest vorgenommen noch an der Nachtrunde teilzunehmen (Polaris bei Daniela und 40K waren die Top-Kandidaten), aber Houses hatte mich derart eingeschläfert, dass ich doch lieber ins Bett fiel.

Am nächsten Tag, einigermaßen ausgeruht, leitete ich noch Machoweiber mit Dicken Kanonen. Über die Runde gibt es nichts zu sagen, außer dass die Spieler gerockt haben (und sich zur Belohnung den Stallone-Klon angeln durften).

Insgesamt wieder eine gelungene Con und immer eine Reise wert.

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7 Kommentare:

Anonymous kirilow meinte...

Sieh einer an, Du warst also auch da.
Doof, dass man sich nicht getroffen hat, hätte Dich gerne einmal im 'real life' kennengelernt.
Und ja, die Tombola war enttäuschend, zudem mich die kindische "Mainstream ist doof"-Attitüde genervt hat; habe mich geradezu ein wenig fremdgeschämt.
Habe leider nur eine Runde mitmachen können, und die war etwas lahm, so war für mich das Abenteuer.-Mitmach-Treffen der klare Höhepunkt der Convention.

Vielleicht trifft man sich ja ein anderes Mal.

Grüße
kirilow

August 11, 2008 3:33 nachm.  
Blogger alexandro meinte...

Ach weißt du... persönlich fand ich das gar nicht so doof, zumal relativ klar war, dass der betreffende die Trennung Mainstream/Indie ohnehin nicht so ernst nimmt.

Aber gewisse Personen sind da anscheinend sehr dünnhäutig und besser im Austeilen, als im Einstecken.

August 11, 2008 10:03 nachm.  
Anonymous kirilow meinte...

Naja, schlimm fand ich es ja auch nicht. Nur langweilig und eben auch nicht witzig, sondern kindisch.
Mir schien der betreffende die Sache aber sehr ernst zu nehmen, vielleicht täusche ich mich da ja.

Sehe mich selber da auch auf keiner Seite -- zudem ich auch gar nicht oft "austeile". Ich fand es eher peinlich.

Grüße
kirilow

August 11, 2008 10:40 nachm.  
Anonymous Anonym meinte...

Kindisch trifft es.

Nicht allein (wie ich an anderer Stelle schon geschrieben habe), weil es problematisch ist, sauber zwischen Mainstream und Indie zu trennen, sondern vor allem auch, weil es seitens der Veranstalter so furchtbar affig ist, das Verbot von "Mainstream-Rollenspielen" für eine Maßnahme zur Förderung unbekannterer Systeme zu halten.

di-vino

August 13, 2008 11:48 nachm.  
Anonymous Drudenfusz meinte...

Mir hatte es sehr geholfen Alexandro kennenzulernen, in dem er mir auf der letzten Odyssee Cola über die Hose kippte und im nachhinein in seinem Blog darüber schrieb, so war mir danach klar wer er ist.

August 14, 2008 4:12 vorm.  
Anonymous grasi meinte...

Es freut mich, dass die RATTEN! Runde so gut aufgenommen wurde. Dickes Lob an den Spielleiter.

RATTEN! wird also gehyped. Interessant. *g*

gruß - der grasi

August 15, 2008 5:21 nachm.  
Blogger Georgios meinte...

@di-vino
Deine Kritik geht leider vollkommen an der Realität vorbei. Die Odyssee definiert sich schon seit langem nicht mehr über eine Mainstream/Undergroung-trennung. Diese gab es vor 10 Jahren noch, aber mittlerweile hat die Odyssee ein eigenes Profil, dass sich aus "kein D&D, kein DSA, kein SR" bildet.

Ob Besucher dadurch mehr neues ausprobieren, kann ich nicht sagen. Auf der Odyssee hatte ich bisher nur 1x einen Spieler in der Runde, der die Regeln oder sogar das Spiel schon kannte.

August 16, 2008 11:04 vorm.  

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