Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Sonntag, Juli 06, 2008

Lindencon 2008

Schon wieder eine Woche rum, so langsam wird es Zeit für meinen Bericht über die sechste Lindencon. Diese fand wie gewohnt auf dem Gelände des Jugendclubs „Die Insel“ statt und war wieder einmal außerordentlich gut besucht (teilweise bestand, nach dem was ich gehört habe, sogar das Risiko keine weiteren Besucher aufnehmen zu können, da dies die Kapazitäten des Geländes übersteigen würde).

Die Con war wieder recht gemütlich, sieht man einmal von der chaotischen Situation beim Spielrundenaushang ab, bei welchem ich mich dezent zurückhielt und auf ein Abflauen des „Gemetzels“ wartete. Die von mir geleiteten Runden waren allesamt voll besetzt und sehr erfolgreich und ich hatte die Gelegenheit ein paar neue Bekanntschaften zu schließen (u.a. mit dem Hofrat, der sich in persona als eineigentlich ein ganz angenehmer Gesprächspartner erwies) und gehörig zu fachsimpeln.

Meine Primetime Adventures Runde am Freitag bestand zu drei Vierteln auch aus Spielern, welche das System zumindest schon einmal gelesen hatten (einer von ihnen hatte gar bereits auf der letzten Lindencon bei mir mitgespielt und war SL in spe einer eigenen Runde). Ich war etwas nervös, weil ich das System seit fast einem Jahr nicht mehr gespielt hatte, aber als das Spiel losging fanden alle (auch der eine Neuling) sofort den Zugang zur gemeinsamen Serie und erarbeiteten gemeinsam einen richtig coolen Pilotfilm. Zwei von ihnen erklärten sogar begeistert, dass sie jetzt wirklich dazu animiert wären, in ihrer Heimatstadt eine feste PTA-Runde aufzubauen. Schön, dass meine Begeisterung für das System derart übergeschwappt ist.

Im Nachtblock leitete ich Solomon Kane. Das Szenario verlief nicht ganz nach Plan, was hauptsächlich den kreativen Einfällen der Spieler zu verdanken war, und so kam es, das sie ihre Gegner bereits stellen konnten, bevor diese in die letzte Phase ihres diabolischen Planes eingetreten waren (und das dramatische Moment auf seinem Höhepunkt gewesen wäre). Zwar waren sie nicht vorausschauend genug um im Endkampf gegen eine 2:1 Übermacht eine andere Strategie als einen Frontalangriff zu versuchen (was selbst bei SW ziemlich würfelig wird, wenn auch noch im Rahmen des zu Bewältigenden), aber mit viel Würfelglück schafften sie den Kampf sogar, obwohl einer von ihnen leider dabei dran glauben musste. Obwohl ich traurig war den zweiten Teil des Abenteuers (ein Wettlauf mit der Zeit, um die Geheimnisse einer alten Azteken-Pyramide zu entschlüsseln und in dem es reichlich Gelegenheiten für Diplomatie und wechselnde Bündnisse gab) nicht mehr verwenden konnte, musste ich doch der Kreativität und den cojones der Spieler meinen Respekt zollen, die auf diese Weise das Abenteuer meisterlich bestanden hatten.
Ich überlegte zeitweise, ob ich das Dungeon (natürlich mit verändertem Vorzeichen), nicht doch noch anschließen sollte (der gegnerische Kapitän hätte Notizen in seiner Kajüte gehabt, welche die Spieler entschlüsseln hätten können), stellte dann aber fest, dass die Nacht bereits eine Weile vorbei war.

Den ersten Samstagsblock schlief ich also aus.

Im zweiten Block schrieb ich mich für eine 7te See Runde ein. Naja. Ein paar Damen vor Schlägern gerettet, eigentlich kein schlechter Einstieg für ein 7te See Abenteuer, danach kann so gut wie alles passieren. Eingewilligt, die Frauen nach Hause zu begleiten- durch die Stadt gewatschelt und in-time konversifiziert…und noch mehr geredet…und noch mehr. Als langsam der Gedanke aufkeimt, ob der SL den Spaziergang in Echtzeit ausspielen will, werden wir von fliegenden Goblins angegriffen. Wir schlagen sie in die Flucht und… gehen weiter. Inzwischen sind uns die in-time Konversationsthemen ausgegangen, so dass wir immer häufiger abschweifen. Naja, liefern die Damen dann bei ihrem Haus ab, gehen dann in die Kneipe (die beiden Schwertmeister finden dann noch einen Vorwand sich zu duellieren und zumindest ein wenig Spannung ins Spiel zu bringen).
Ich hatte viel Spaß mit meinem Vesten-Seebären und hatte sogar ein paar richtig coole Momente, aber generell dümpelte die Runde so vor sich hin.

Als Nachtrunde bot ich das Doom-Brettspiel an, während parallel das Vampire-LARP lief. Leider wurde ich in der Taverne einquartiert und dann von mir erwartet, dass ich schon kurze Zeit später (nachdem ich schon das sehr umfangreiche Spielfeld aufgebaut hatte) mich umquartieren sollte, damit man diese schließen können- nicht OK Jungs, ich hatte in der Rundenanmeldung gesagt wie lange so eine Partie ungefähr dauert, da hätte man wirklich ein bisschen besser planen können. „Glücklicherweise“ erwies sich das gespielte Szenario dann doch als etwas schwerer als von den Spielern erwartet, so dass ich unerwartet pünktlich fertig wurde.
Trotzdem mag ich eigentlich nicht derart gehetzt werden.

Am Sonntag stellte ich dann da wahre Ausmaß der Rundenknappheit fest: wie gewohnt gemächlich wartend und mich nicht an der Schlacht um die begehrten Plätze beteiligend bot sich mir, als ich dann endlich zur Einschreibetafel vorstieß, dann noch genau eine Runde, in welcher es noch genau einen freien Spielerplatz gab: das letzte Abenteuer der von Settembrini ausgiebig beworbene DSA Südmeer-Kampagne. Insgesamt war das keine schlechte Wahl (bzw. wäre es keine gewesen, wenn es denn eine Wahl gewesen wäre ;)).
Für das Finale übernahm der Hofrat selbst die Rolle des SLs. Meine Bedenken bezüglich inkompatibler Spielstile bewahrheiteten sich nicht und das Abenteuer rockte ganz ordentlich. Für jemanden, der in seinem Blog keine Gelegenheit auslässt um SL-Entscheidungen nach dramatischen Kriterien zu verdammen benutzte er interessanterweise diese (unwissentlich?) recht souverän, um den Spielfluss in Gang zu halten und einmal sogar um seiner BBEGal ein unwürdiges Ende durch Spielerhand zu ersparen (was außer mir ohnehin keiner bemerkte und was selbst ich- dessen Spielfigur direkt davon betroffen war- nicht als Spielerbevormundung empfand). Insgesamt große Erleichterung und ein mit Klugheit und Durchsetzungsvermögen (nicht zu vergessen einer Prise Hinterlist und fehlendem Respekt vor „wichtigen“ NSC durch meinen Streuner) zufrieden stellend gelöstes Abenteuer. „Erweckungserlebnisse“ der Marke „Ich habe bisher Rollenspiel nicht verstanden“ blieben jedoch aus.
Wie auch immer: Die DSA Regeln der ersten Edition erwiesen sich in meinen Augen als wesentlich interessantester und brauchbarer als jede der Folgeeditionen: besonders die Nutzung der Charakterstufe als common knowledge-Ersatz und Magieresistenz in einem erscheint mir dabei erwähnenswert.

Fazit: wie schon in den vergangenen Jahren verlies ich die Con mit dem Gefühl, dass sich der Besuch gelohnt hatte. Der Dreiklang Angenehme Atmosphäre, gemütliche Rundensituation (frische Luft statt große, stickige Hallen; natürliches Licht statt surrende Neonröhren) und freundliche Orga (ganz zu schweigen von köstlicher Taverne) sorgte für entspannte Con-Besucher und richtig coole Spielmomente. Einzig die Probleme der jährlich steigenden Besucherzahl und der damit verbundenen Notwendigkeit für eine andere Örtlichkeit und ein leicht verändertes System bei der Rundeneinschreibung müssten bis zur Con Nummer Sieben noch irgendwie gelöst werden, aber ich bin relativ zuversichtlich dass es auch da nichts zu meckern geben wird.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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1 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

Jap, das beschreibt die diesjährige LC sehr gut.

Juli 07, 2008 10:10 nachm.  

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