Dreifaltige Rollenspiel-Lektüre

Drei Falten mit einem Rollenspielerkopf dahinter, ergibt einen nachdenklichen, amüsanten und relativ bodenständigen Blick auf das was war, ist und möglicherweise in der Szene los sein wird.

Dienstag, April 15, 2008

[Alex erklärt die Maskerade] …überlegt es sich dann aber anders- Betrayed desires, and a piece of the game

Wenn man mich fragt, welche Filme mit vampirischen Protagonisten ich für die Besten erachten würde, dann fällt meine Antwort eindeutig aus:
1. Die Weisheit der Krokodile
2. Near Dark
3. The Lost Boys
Honorable mention:
Interview mit einem Vampir (ohne den Filme wie die o.g. nicht denkbar gewesen wären)

Wenn man mich dann aber fragt, welchen dieser Filme man gesehen haben sollte, um sich auf ein Spielsitzung Vampire: Die Maskerade wie ich es leite einzustimmen, so ist meine Antwort ähnlich eindeutig, aber viel kürzer: Keinen davon!

Eigentlich wollte ich mal darüber sprechen, was sich eigentlich hinter dem ominösen Spiel von White Wolf und Feder & Schwert verbirgt und warum es eine solche Anziehungskraft auf mich hat. Ich habe diesen Artikel eine Weile vor mir her geschoben- sowohl aus Zeitgründen, wie auch aus Überlegung, denn schließlich musste ich einsehen, dass die Art wie ich persönlich Vampire spiele möglicherweise nicht ganz repräsentativ für das gesamte Spiel ist. Daher hole ich zunächst etwas weiter aus und gebe einen groben Überblick über das, was ich bisher von diesem großartigen Spiel erleben durfte.

Meine erste Spielsitzung (ich war noch ein blutiger Anfänger, der gerade das Regelwerk gelesen und noch nie in einer Runde gespielt hatte) war ein knallharter Kriminalfall im nächtlichen Prag, mit (z.T. sehr offensichtlichen) Anleihen an den Film „Sieben“. Ich spiele eine leichenfixierte Toreador Photographin und genoss die komplexen Handlungsstränge, welche der SL präsentierte. Sein Leitstil war Sandbox im Besten Sinne des Wortes, mit verschiedenen Vorgängen die in der Stadt- unabhängig von den SCs- geschahen und mit denen diese bei ihren Ermittlungen in Kontakt kamen. Einige davon hatten mit dem „Plot“ (die Jagd nach einem besonders brutalen Maskeradebrecher) zu tun, andere nicht- die Illusion einer lebenden und atmenden Spielwelt war perfekt. Auch wenn wir grandios versagten bei der Fallaufklärung, so war die Runde doch eine der Besten, in der ich in meiner gesamten Rollenspielerlaufbahn gespielt habe.

Vielleicht war die Runde sogar zu gut, denn als ich mich bald darauf selbst ans SL-Handwerk machte, war ich- beeinflusst durch diese Erfahrungen- sehr auf das Erlebnis der Spielwelt und darauf den Spielern etwas (namentlich: coole Szenen) zu präsentieren fixiert und unterschätzte etwas das wichtigste Feature von Rollenspielen: das Treffen von Entscheidungen für die Spielfigur. Meine ersten Abenteuer sahen aus wie geskriptete Computer-Dungeons (ein guter Teil der Abenteuer spielte sogar in der Kanalisation), bei denen jeder Raum eine „Szenenbeschreibung“ auslöste und die BBEGs am „Ausgang“ warteten. Doch spätestens drei Sitzungen später hatte ich das auch im Griff, einfach durch learning by doing und ohne dass es dazu größerer Erklärtexte darüber wie man „richtig“ spielt bedurft hätte.

Im Laufe meiner Rollenspielerlaufbahn lernte ich dann irgendwann andere SLs (zunächst auf Cons, später sogar in meiner Nachbarschaft) kennen und setzte mich mit allen möglichen Arten Vampire und die Welt der Dunkelheit zu spielen auseinander. Dabei fand ich ein ein Varianzreichtum, welches mich persönlich eindeutig in meinem Geschmacksempfinden weitergebracht hat.

Da gibt es alles von knallharten Horrorsettings, wo jeder noch so kleine Fehler das Überleben der gesamten Gruppe in Gefahr bringt; persönliche Tragödien, welche das gesamte thematische Spektrum der menschlichen Gefühle widerspiegeln; kitchen-sink Gonzo, wo an jeder Ecke die skurrilsten Situationen warten; bis hin zu actionlastigen Kampfszenarien (in den Geschmacksrichtungen low- und high-power), bei denen saucoole (und oft amoralische) Charaktere durch das Blut ihrer Feinde wateten- dies alles (und viele Schattierungen dazwischen) ist Vampire.

Demnächst werde ich mich damit auseinandersetzen, bei welchem Stil ich in der Gestaltung des Maskerade-Settings mittlerweile angekommen bin.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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